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Full text of "Ueber den flötenbau und die neuesten verbesserungen desselben"

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k. bayer. Hoftaiusiker und privileg. Instilimeiiteiiinacher 

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k. bayer. Hofmiisiker und privüeg. Iiistnimenteniiiacher in München. 



Hofmusikhandlung von B. SCHOTT's S(EHNEN. 

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le von mir im Jahre 1832 neuconstruirte Flöte hat 
ungeachtet der ihrer Verbreitung im Wege stehenden Vor- 
urtheiie und der Schwierigkeit des Einübens eines neuen 
Griffsystems , in den letzten Jahren beinahe allgemeinen 
Eingang gefunden. 

Sie wird gegenwartig von vielen ausgezeichneten Künst- 
lern gespielt; meine Construction wurde auch schon auf 
andere Blasinstrumente angewendet, und die Authentizität 
ihrer Erfindung hat , namentlich in Frankreich und England, 
sogar Veranlassung zu öffentlichen Discussionen gegeben. 

Die Vorzüge meiner jahrelang unbeachtet gebliebenen 
Construction haben somit endlich Anerkennung gefunden, 
und es möchte daher nicht ungeeignet erscheinen, wieder^ 
holt an mich ergangenen Aufforderungen um öffentliche Mit- 
theilung der Entstehungsgeschichte meiner Flöte und meiner 
Gründe für diese Construction zu entsprechen. 

Von früher Jugend an in meines Vaters Qesch&ft als 
Ooldarbeiter und Juwelier, so wie auch im Drehen und in 
mechanischen Arbeiten wohl geübt, wurde es mir nicht 
schwer, schon meine erste Flöte, auf welcher ich im Jahre 
liSlO zu spielen begann , nach einer vierklappigen Flöte von 
Grenser selbst zu verfertigen. 

Mit meinen Fortschritten im Flötenspiel entstand natür- 
lich das Verlangen nach bessern Instrumenten , und da ich 
neben meiner schon im Jahre 1812 erlangten Stelle eines 
ersten Flötisten am k. Isarthor- Theater zu München, bis 
Ende 1817 auch noch mein Goldarbeiter -Geschäft mit allen 
frühern Einrichtungen beibehalten hatte , und folglich mit 
den nöthigen Werkzeugen versehen war , so verfertigte ich 
sowohl nach den besten Mustern damaliger Zeit, als auch 



^ 4 — 

nach eigenen Ideen viele Flöten für mich und Andere, wo* 
von noch gegenw&rtig mehrere vorhanden sind, an welchen 
ich , schon vor mehr als 35 Jahren , durch damals neue 
Arten von Federn und Belederungen , durch die Anwendung 
des Korks zur Zapfenfutterung , so wie eines vorschiebbaren 
goldenen Mundloches etc. Verbesserungen zu erzielen ge- 
sucht hatte. 

Nachdem ich mich in Folge meiner im Jahre 1818 er* 
langten Anstellung in der k. Hofkapelle ganz der Musik 
gewidmet und mein Qoldarbeiter-Geschfift aufgegeben hatte , 
liess ich in Ermanglung eigener Werkzeuge und zur Scho- 
nung meiner Hände , mehrere Jahre lang Flöten von andern 
Instrumentenmachern nach meinen Angaben machen; allein 
die auf diese Weise erhaltenen Instrumente Hessen mich 
unbefriedigt, und ich entschloss mich endlich, zur ungehin- 
derten Ausführung meiner Ideen selbst ein Flötenfabrikations- 
Qeschfift zu errichten. 

Im Oktober 1818 hatte ich wieder eine eigene wohlein- 
gerichtete Werkstätte und begann damit, eigenthümliche Werk- 
zeuge oder Hilfsmaschinen zur leichten und sichern Verfer- 
tigung eines bessern Klappenmechanismus als des bis dahin 
üblichen, zu construiren und auszufahren. Durch eine dieser 
Maschinen wurden kleine metallene Säulen mit scharf in das 
Holz einschneidenden Schrauben an ihrer Basis und mit Ku- 
geln am obern Ende, genau in der Linie des Radius, folg- 
lich ganz gerade gegen den Querschnitts-Mittelpunkt der Flöte, 
in diese eingeschraubt, um den Achsen der Klappenchamiefe 
als Zapfenlager zu dienen ; durch eine zweite Vorrichtung 
erzweckte ich , dass diese Achsen stets ganz genau durch 
das Centrum der beiden einander gegenüberstehenden Kugeln 
gehen mussten , und durch diese so wie mehrere andere 
Vorrichtungen konnte den leicht und sicher beweglichen Klap- 
pen in allen Theilen eine bedeutende Vollkommenheit bezüg- 
lich der Ausführung gegeben werden. 

Noch vor Ende desselben Jahres war die erste mir ent« 
sprechende Flöte fertig geworden; die damals ganz neue 



^^-^^.«;^ 



— 5 — 

und eben so degante als solide Klappenarbeit an meinen in 
Hinsicht auf Ton und Stimmung als gut anerkannten Instru- 
menten fand allgemeinen Beifall ; ihr Absatz verbreitete sich 
schnell, und noch im Jahre 1831 spielte ich in Paris und 
London auf einer solchen in meiner Werkstätte zu München 
verfertigten Flöte gewöhnlicher Construction. 

In London fiel mir der Ton des damals in seiner vol- 
len Kraft noch wirkenden Flötenspielers Charles Nichol- 
son wegen seiner ungemeinen Stfirke auf, die ihren Grund 
in der ungewöhnlichen Grösse der Grifflöcher seiner Flöten 
und der dadurch bewirkten freier.! Entwicklung der Töne 
hatte. 

Allein es war Nicholson's ausserordentliches Talent 
und vortreffliche Embouchure erforderlich, um die Mängel 
seiner Flöte bezüglich Stimmung und Gleichheit der Töne 
zu bergen, welche, wie bei allen Flöten gewöhnlicher Con- 
struction, in der, nach akustischen Principien unrichtigen 
Stellung der Grifflöcher und ihrer dadurch bedingten sehr 
ungleichen Grösse ihren Grund hatten. 

Gleichzeitig war ich mit einem Dilettanten auf der 
Flöte, Namens Gordon, bekannt geworden, welcher 
schon früher in Paris und nachher in London Verbesse- 
rungen an der Flöte zu machen gesucht hatte. Das mit 
einer Klappe bedeckte ^£-Loch seiner Flöte war mehr ab- 
wärts und grösser gebohrt, und zur Vermeidung des F- 
Hebels hatte er eine Ringklappe angewendet. Ausserdem 
hatte er noch eine Menge Klappen und Hebel an seine 
Flöte machen lassen, die mitunter sehr sinnreich erdacht, 
allein viel zu complicirt waren , und schon aus dem Grunde 
nie bedeutende Vortheile gewähren konnten , weil seiner 
Flöte ebenfalls eine richtige akustische Basis fehlte, und 
sie desshalb bezüglich Ton und Stimmung immer mangel- 
haft bleiben musste. Hiedurch neuerdings in meiner durch 
vidfUtige Versuche gewonnenen Ueberzeugung bestärkt 9 
dass ohne totale Abänderung des Griffsystems keine wesent- 
liche Verbesserung meines Instrumentes erzielt werden 



— 6 — 

Mime, entscUoss ieh mich, weder die Nicholson'seke 
Flöte noch irgend andere bloss mechanische Ablnderungm 
anzunehmen , sondern lieber Zeit and Mühe auf die Con* 
struction und Einübung einer ganz neuen Flöte zu y(»rwen- 
den , auf welcher , bei möglichst reiner Intonation , Gleich* 
heit und Fülle des Tones, zugleich durch einen zweckmis* 
sigen Mechanismus die reine Ausführung jeder musikalischen 
Figur möglich wird. 

Nach München zurückgekehrt, ging ich sogleich an die 
Ausführung meines Vorhabens , und nachdem ich neuerdings 
verschiedene Bohrungs-Verhfiltnisse genau untersucht, meh« 
rere Grififsysteme entworfen und ausgeführt — ja sogar 
schon eingeübt hatte, wählte ich zur Construction meinw 
neuen Flöte das von mir noch vor Ende des Jahres 1831 
entworfene und gegenwärtig sehr bekannte Grüfsystem mit 
Ringklappen als das, allen Anforderungen am meisten Ent^ 
sprechende. 

Der Erfolg entsprach meinen Erwartungen; schon nach 
wenigen Monaten hatte ich auf nleiner neu construirten 
Flöte wieder die zum Concert- und Orchesterspiel erforder- 
liche Fertigkeit erlangt, und sowohl in München noch im 
Jahre 1832, als auch in London, wo ich in den Jahren 
1833 und 1836 wieder spielte, wurde der starke und gleiche 
Ton, sowie die reine Intonation meines Instrumentes so- 
gleich bemerkt. 

Viele Flötenspieler und Instrumentenmacher hatten meine 
Flöte gesehen und darauf zu spielen versucht ; allein durch 
das ganz neue Griffsystem abgeschreckt , wurde sie nur von 
Wenigen angenommen. 

Vorzüglich die an Jahren schon vorgerückten Flöten- 
Virtuosen sprachen sichjam entschiedensten gegen meine 
neue Flöte aus ; denn sie konnten sich natürlich nicht ent- 
schliessen , ein ganz neues Instrument einzuüben , und sahen 
vielleicht mitunter sogar ungern , dass Andere durch dessen 
Annahme grössere Mittel zu ihrem Spiele erlangten. 

Die meisten Instrumentenmacher waren ebenfalls dage- 



-— 7 — 



Ol. 



gen, weil sie es unbequem und unvortheiihaft fanden, die 
ihnen neue und ohne Kenntniss meiner Hilfsmaschine schwer 
auszufahrende Kiäppenarbeit nachzumachen. Ich selbst hatte, 
in. der Ueberzeugung , dass das Gfute seinen Weg selbst iin- 
^ den werde, das Schlechte aber keiner Empfehlung werth sei, 
^ ausser einer Scala zu meiner Flöte, nichts über dieselbe 
^ veröffentlicht, und konnte, vom Jahre 1833 an über acht 
Jahre lang weit mehr mit Stahl - und £isenfabrikation als 
'"' mit Musik beschäftigt, nur selten in Concerten spielen und 
^^ nur wenige Schüler unterrichten. 

^ Es gab daher lange Zeit hindurch keine Meister und 

» folglich auch keine Schüler auf meinem Instrumente. Allein 
$ nachdem ich Gelegenheit gefunden hatte, meine Flöte in 
■ einer Sitzung der Acaiemie des Sciences zu Paris, am 8. 
k Mai 1837 , mit einer kurzen Erlfiuterung ihrer Vortheile 
vorzulegen und zu spielen, erlangte sie in Folge der von 
ei den Herren de Prony, Dulong, Savart, Paer und 
I Auber vorgenommenen Prüfung und gegebenen Gutachten, 
bald eine sehr bedeutende Verbreitung in Frankreich, und 
I wurde seither von den ausgezeichnetsten Flötenspielern an- 

I genommen. Bald darauf fanden meine Flöten auch in Eng- 

land eine grössere Aufnahme; viele derselben wurden nach 
Italien, Russland, Polen und selbst nach andern Welttheilen 
gesendet, und nur in Deutschland blieben sie noch so we- 
nig bekannt oder beachtet , dass noch im Jahre 1844 die 
Stärke und Gleichheit ihrer Töne, sonst für das Ideal aller 
Vollkommenheit im Instrumeutenbau erkannt, als Mängel 
meines Instrumentes darzustellen gesucht werden konnten. 

Bald darauf kam jedoch der talentvolle Sohn des Mei- 
sters A. B. Fürstenau, ebenfalls k. Kammermusiker zu 
Dresden, durch die vortrefflichen Leistungen meines ehe- 
maligen Schülers £. Hein dl von den Vortheilen meiner Flö- 
ten - Construction überzeugt, auf Veranlassung seines Vaters 
zu mir nach München, wo er in sehr kurzer Zeit Aus- 
gezeichnetes auf dem neuen Instrumente leistete. 



— 8 — 

Auch H. Kammermusilais Krüger in Stuttgart folgte 
diesem Beispiele und sandte mir seinen Sohn zur Ausbil- 
dung, und sonach scheinen die gegen meine Flöte bestan- 
denen Vorurtheile nunmehr einer vollständigen Anerkennung 
gewichen zu sein. 



Mit dieser Anerkennung sind aber auch zugleich man- 
nigfaltige Interessen rege geworden* 

In liOndon existiren dermalen mehrere verschiedenartige 
neuconstruirte Flöten, um deren Vorzüge und Authenticitfit 
gestritten wird, und in Paris hat man es sogar für gut be- 
funden, das kleine Verdienst dieser Erfindung einem seit 
mehreren Jahren Dahingeschiedenen, dem schon oben genann- 
ten W. Gordon, zuzuschreiben. 

Ich habe von meiner Erfindung nie viel Aufhebens ge- 
macht ; mir genügte die Anerkennung unbetheiligter Sachver- 
standiger, und ich war zufrieden, eine Flöte construirt zu 
haben , welche von den Unvollkommenheiten der früher übli- 
chen Instrumente grösstentheils frei zu sprechen war. 

Es stand gleichfalls Jedem frei , meine Flöten nacheu- 
machen und zu verkaufen; denn ich hatte in keinem Lande 
durch Privilegien meine Erfindung zu sichern gesucht. 

Dessen ungeachtet bin ich nicht gesonnen, mir das Ver- 
dienst dieser Erfindung rauben zu lassen, und einem An- 
dern den Platz zu räumen, der als Ehrenmann in jedem 
Sinne des Wortes viel zu bescheiden war, sich mit fremden 
Federn schmücken zu wollen. 

Ich sehe mich daher genöthigt , meine Verhältnisse mit 
dem angeblichen Erfinder meiner Flöte — H. Gordon — 
etwas näher auseinander zu setzen. 

Meine neuän Flöten waren im Jahre 1832 längst voll- 



_ 9 _ 

endet ^ ich war «ehon voUkommen darauf eingeübt nnd hatte 
mehrere Instrumente der Art bereits verkauft , als ich von 
H. Gordon nachstehenden Brief, dessen Original sich in 
meinen Hfinden befindet, erhielt: 

Lausanne 18 Febr. 1833. 

Mon eher Monsietir! 

Je suis depuis quinze jours de retour chez mai ä Lau- 
sanne^ apres un sejour assez long ä Paris, oü je suis venu 
de Londres peu apres vous avoir vu lorsque vous en cles 
parfi pour Munich. 

Je rCai pas perdu mon tems, et fai travatlle avec per- 
severance ä une flute notwelle que fai faite moi-mime, 
aussi bien que fai pu, et que je viens de terminer. 

Je ne vous ai point oublie^ et fai toujours attendu que 
vous m*enverriez une flute perfecUonnee que vous proposiex 
de chercher ä faire ä votre retour en Aüemagne. Selon 
votre Offerte ä Londres, je veux vous envoyer ma fläte 
en vous priant de m'en faire une belle sur ce modele; ou 
que je possede, entierement le doigte pour la jouer. Je vous 
enverrais en mime tems la tablature du doigte. 

Je riai pas voulu vous envoyer ma flute avant f avoir 
reeu de vos nouvelles. Veuillez donc m^ecrire ä Tadresse 
ci-apres : A Monsieur Gordon ä Lausanne en Suisse , et 
me dire la moniere que vous croyez la plus süre de vous 
la faire parvenir sans accident ; et si vous pourriez m*en 
faire une semblable, vous en occuper le ptus^töt pos- 
sible. Dans fesperance que ma lettre vous trouvera ä 
Munich, je vous tenvoye ä tadresse que veus m'aviez 
donne. 

Acceptez tassurance de toute mä consideration. 

Votre devoue serviteur 

Gordon. 

Als Hr. Gordon auf meine Antwort einige Monate spä- 
ter selbst nach München kam , hatte er sich bald überzeugt, 
dass seine mitgebrachte Flöte in Vergleich mit meinem In- 
stumente höchst mangelhaft war. 



-- !• — 

Er TBTwarf Mm bisher verfolgtes Sjvtem md madhie 
sich sogleich ari eine neue Art Constrnctioii, wobei er 
meine Löcherstellung grösstentheiis , meinen Klappenmeeba- 
nismus aber nur zum Theil annahm, indem er hoffte, 
einen einfachem Mechanismos mit Beibehaltung von mehre- 
ren gewöhnlichen Griffen za finden. 

ich hatte ihm meine Werhstfitte sowie meine Arbeiter 
zur Verfügung gestellt, und erst nach Verfluss von beinahe 
einem ganzen Jahre, in welcher Zeit zwei Flöten durch 
immerwährende Abfinderungen ganz unbrauchbar geworden 
waren, wurde die in Fig. I dargestellte fertig, mit welcher 
er München wieder verliess. Er nannte sein Instrument 
ganz irriger Weise „flute diaiomque^^^ wAhrend doch nur 
die ursprüngliche alte Flöte mit 6 Löchern eine Diato* 
nische, alle seither gemachten und mit Klappen versehe- 
nen Flöten aber chromatische sind, und liess eine li«- 
thographirte Scala dazu verfertigen, die er im Jahre 1834 
publlzirte. 

In dieser Scala, die ich von ihm selbst erhalten habe, 
sagt er unter andern in der kurzen Beschreibung seiner 
Flöte: 

j,La suppressian des deus ckfs de Fa naturel et leur 
„remplacement par une clef de Fa dieze^ est une idee 
,,dont tappücation offre des grands avantages. 

,^LHdie de cefte clef de Fa dieze commmniquie par 
,fMr. Th. BoKBM de Munich a ^t^ avec son agr^ment 
„adopt^ pour la präsente fldte, dant eile complette les 
„moyens d^executim.^ 

Gordon's Flöte wurde aber meines Wissens von Nie- 
mand nachgemacht oder gespielt, und als ich ihn selbst 
spfiter nochmals in London traf, wünschte er, eine meiner 
Flöten zu haben, indem die Seinigen ihn aus mehreren 
Ursachen nicht befriedigten. Aus diesen, der Wahrheit 
getreu angegebenen Thatsachen, wozu ich die Belege in 
Hinden habe, geht klar hervor, dass meine viel früher 
vdlendete neuconstraurte FU^te, nicht wie in Paris irriger 
Weise angegeben wurde, «us Oordons Fldte horvoigt- 



— M — 

giibgeii war, sondem dass ar bei der Constru^tion seiner 
fiüle dkdtmifue sehr wesentliche Theile meiner Flöte be- 
nütat^ und mein Zugestfindniss als eine ihm geleistete Ge- 
fiOligkeit auch anerkannt hatte. 

Den sichersten Beweis Gir die Authenticitfit meiner Er- 
Inidung glaube ich aber durch die Darlegung der Motive, 
die mich zu dieser Construction veranlassten, und durch 
die £rklfirung der akustischen und mechanischen Prinzipien, 
die ich hiebei in Anwendung brachte, geben zu können, 
^nn nur derjenige ist filhig, ein durchaus rationelles. Werk 
au liefern , welcher, von der Conception desselben ange- 
fangen, über das Warum und Wie der Ausführung eines 
jeden einzeln«! Theiles vollständige Rechenschaft zu geben 
im StMide ist. 

^ Zur Erläuterung der Motive, welche mich veranlassten, 
<»tte neue Flöte zu construiren , möchte es hier nicht über- 
flüssig sein, eine damals oft an mich gestellte und viel- 
leicht jetzt noch Manchem nicht ungegründet erscheinende 
Frage näher zu beleuehten, nämlich: Ob es wohl der 
Mühe werth sei, eine durch vieljährige Uebung errungene 
Virtuosität wegzuwerfen, und gleich einem angehenden 
Schüler ein ganz neues Griffsystem mühsam einzuüben, da 
doch lange vor mir und noch bis zur Stunde die Leistun- 
gen vieler Künstler auf d^ bisherigen Flöte als vortrefflich 
anerkannt vmrden? 

Es unterliegt allerdings keinem Zweifel, dass es zu 
allen Zeiten ausgezeichnete Flötenspieler gab und deren 
noch giebt; ihr Talent wurde gewürdigt, ihre Namen wur-^ 
den berühmt, weil die Leistungen des Genies gewissermas- 
sen immer über der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit 
zu stehen pflegen. 

Allein, obgleidi Mozart im Stande war, seine Zuhörer 
auf einem Spinett zu entzücken, so wird doch Niemand in 
Abrede stellen, dass Mozarts Spiel auf einem gegenwärti- 
ge, der mannigfaltigsten Nuancen ftUiigen Pianoforte, eine 
ganz andere Wirkung gemacht haben würde. 



- li - 

Auch ist zu bemerken, dass zur Ausfilhrung eines 
Strumental -Tonstückes wenigstens drei Erfordernisse — 
Composition , Instrument und Vortrag — vorhanden sind ; 
dass die überwiegende VortrefHichkeit des Einen oder An- 
dern auch ohne Totaleffekt zum Gefallen genügen kann; 
dass ferner alle Beurtheilung nur auf Vergleich beruht, da- 
her auch ein Spinett oder eine einklappige Flöte ohne 
Kenntniss besserer Instrumente für gut gehalten werden 
konnten, und dass endlich die klugem Virtuosen jener Zeit 
ihre Vorträge auf solche Tonarten beschränkten, weleke 
die Mängel und Gebrechen ihrer Instrumente nicht allzu 
blos stellten. Wenn es aber heut zu Tage Jemanden ein- 
fallen wollte, auf einer einklappigen Flöte Compositionen 
in As^ Des^ H oder Fis zu produciren, so möchte das 
Auditorium höchst wahrscheinlich sehr wenig Gefallen da- 
ran finden. 

Das musikalische Instrument ist das Organ, durch 
welches der Künstler zu uns spricht; es ist das Mittel zur 
Mittheilung seiner Gefiihle und zur Entwiekelung seiner 
Virtuosität in sicherer Ueberwindung aller Schwierigkeiten* 

Durch die grössere oder geringere Vollkommenheit die- 
ses Organs sind, so wie beim Sänger durch dessen Stimme, 
die Grenzen der künstlerischen Leistungen bedingt, und 
jede wesentliche Verbesserung der musikalischen Instru- 
mente ist daher für die Tonkunst von Wichtigkeit. 

Da aber die richtige Beurtheilung der Wesenheit bei 
Verbesserungen eine genaue Kenntniss des vorher Bestande- 
nen voraussetzt, so ist es nothwendig, ehe ich auf Erläu- 
terung meiner Construction eingehe, eine Beschreibung der 
gewöhnlichen Flöte (Fig. II) zu geben , und ihre akustischen 
sowie mechanischen Mängel zu berühren. 

Die ersten, im Gegensätze zu den Flöten der Alten, 
von der Seite angeblasenen Flöten, bestanden ursprünglich 
aus cylindrischen Röhren , welche an einem Ende geschlos- 
sen und mit einem Mundloche und 6 Grifflöchern versehen 
waren. 



— IS — 

Durch das stufenweise OeiShen dieser Löcher von unten 
nach oben entstand eine diatonische Tonleiter von 7 Tönen, 
durch eine Verfinderung des Winkeis, unter welchem die 
Luft angeblasen wurde, erhielt man durch das Uebersprin- 
gen der Töne eine zweite Octave, und durch abermalige 
Aenderung dieses Winkels und anderer Griffe auch noch 
einige Töne der dritten Octave. Piese Flöten sind noch heut 
zu Tage unter dem Namen Querschwiegel oder Schweizer- 
pfeifen bekannt, und haben eine höhere Stimmung, als die 
jetzt gebrfiuchlichen Flöten. Durch Anwendung einer theil- 
weisen konischen Bohrung fand man, dass die Töne der 
zweiten und dritten Octave nicht nur reiner stimmten und 
leichter ansprachen, sondern dass auch noch Ifingere Luft- 
säulen zum Tönen gebracht werden konnten* 

Die hierauf verUngerten Flöten wurden , der grössern 
Bequemlichkeit wegen, in 3 Stücke — in das Kopfstück, 
Mittelstück und Ffisschen abgetheilt, und die Grifflöcher so 
weit auseinander gerückt, als es die natürliche Spannweite 
der Finger zuliess. 

Diese Flöten , nach ihrem Grundtone I^-Flöten genannt, 
scheint zuerst der Nürnberger Instrumentenmacher Christoph 
Denn er, geboren 1655, gestorben 1707, am besten ge- 
liefert und allgemein verbreitet zu haben; und er, sowie 
später seine Söhne, verschickten ganze Kisten solcher Flö- 
ten in alle Theile Europas. 

Als die Instrumentalmusik aufhörte, blos Dienerin der 
Vokalmusik zu sein, und' anfing selbstständiger zu werden, 
mussten auch die Mittel zur Ausübung, d. i. die Instrumente 
verbessert werden. In Italien, der Wiege der Musik, dem 
l^ande des Gesanges, erstreckten sich diese Verbesserungen 
jedoch nur auf die eigentlich singenden Streich-Instrumente, 
die eine sehr hohe Stufe der Vollendung erlangten. In Frank- 
reich wurde zwar die Instrumentalmusik zu Anfang des vo- 
rigen Jahrhunderts durch Luliy gehoben; allein die bedeu- 
tenden Reformen, welche die Flöte erlitt, gingen weder von 
dort noch von England aus, sondern von Teutschland, wo 
die Instrumentalmusik verhältnissmässig ani meisten ausge- 



— 14 — 

bildet wurde, und wo schon zu Ende des siebenselmten 
Jahrhunderts einzelne Flötenvirtuosen die Aufmerksamkeit 
des Publilcnms erregt hatten. 

Eine bedeutende Vervollkommnung der FUte und ihrer 
Behandlung, wodurch sie eine allgemeine Gfeitung als Or« 
ehester- und Concert-Instrument erlangte, war einem Manne 
vorbehalten, der, zugleich Lehrer Friedrichs des Grossen, 
•der Schöpfer unsers heutigen Flötenspiels wurde. 

Es war Johann Joachim Quanz, geb. 1697, gesL 
1773, der das Instrument nicht nur verbesserte, sondern 
auch seine eigene, nach dem Urtheile seiner Zeitgenossen 
ausgezeichnete Spielart durch die erste Flötenschule und 
eine Menge Schüler auf die Nachwelt vererbte. Er gab den 
Mundlöchern die Form eines Ifinglichen Viereckes mit abge- 
rundeten Ecken, und nahm als Material meistens Bachs- 
baumholz; ferner fügte er am Fusse zu der angeblich in 
Frankreich erflindenen ZMv- Klappe des enharmonischen 
Abstandes den Tönen Dis und E$ wegen noch eine zweite 
Klappe für Es hinzu , welche jedoch bald wieder aufgege- 
ben wurde, und erfand im Jahre 1726 den mittelst einer 
Schraube beweglichen Pfropf, ein zur damals üblichen Art 
die Stimmung zu verfindern, unentbehrliches Stück. 

Man machte nfimlich, um die Flöte bei verschiedenen 
Stimmungen gebrauchen zu können, Mittelstücke von ver- 
schiedenen Lfingen. Da aber, um reine Octaven zu erhal- 
ten/ die Lfingenverhältnisse des hohlen Raumes über dem 
Mundloche mit jenen der ganzen Luftsfiule stets in richti- 
gem Verhfiltniss stehen müssen, so war die Erfindung der 
Pfropfschraube sehr wichtig, denn die von einigen am Fäss- 
chen angebrachten beweglichen Röhrchen — Register ge- 
nannt — erfüllten diesen Zweck nur sehr unvollkommen. 

Diese Art Flöten VRirden noch bis zu Anfang dieses 
Jahrhunderts von mehreren Künstlern als Orchester- und 
Concert-Instrumente gebraucht. 

Da alle ausser der Z7-(fur-Scala gelegenen Töne, das 
Dis ausgenommen , durch sogenannte Gabelgriffe hervorge* 
bracht werden mussten, und deshalb hohl und dumpf klan- 



— li — 

gen , so fligte man , um den Änfordeningen der Musik m 
teehnischer Hinsieht zu genügen, bald nach Quanz noeh 
4 mit Klappen bedeckte Löcher für die Töne f, gü^ B und 
C hinzu« Diese Erfindung wird von vielen dem gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts berühmten englischen Flö- 
tisten Joseph Tacet zugeschrieben; allein Flöten mit 
diesen Verbesseningen waren auch schon gleichzeitig ge- 
macht worden von Johann Georg Tromlitz, geboren 
1726, gesti 1805, und Karl August Grenser, geboren 
1720, gestorben 1800, beide geschickte Instrumentenmacher 
und Letzterer auch ausübender Künstler, der die Zahl der 
Mittelstücke auf 7 brachte, und auch einen Hebel hinzu- 
fligte, wodurch die l'-Klappe mit dem kleinen Finger der 
linken Hand gehoben werden kann^ 

Bald genügten auch diese Flöten nicht mehr, man ver- 
Ungerte den Fuss um 2 Tonlöcher, um die Töne Cis und 
C zu erhalten ; es wurde ein Loch £Ür den hohen Triller 
ä e gebohrt, die es-j gis-j b- und r- Klappen wur- 
den auch mit Hebeln versehen , und der Umbng in der 
Tiefe noch bis zum a erweitert , so entstanden > endlich 
Flöten mit 17 Tonlöchern, 11 Klappen und 4 Hebeln; ja 
in Wien machte man sogar Flöten — vom Professor Bayr 
«Bünden und Panaylon genannt , deren Umfang sich bis ins 
tiefe G erstreckte. 

Femer wurde , um die Mittelstücke zu ersparen , ein 
metallener Auszug am Kopfstück angebracht, wodurch das- 
sefte ganz oder theilweise gefüttert wurde; Biot, Kapel- 
ler und ich hatten zu gleichem Zwecke verschiebbare Mund- 
löcher ausgeführt, welche im Verhältniss der vermehrte 
Arbeit und Kosten nur geringe Vortheile gewfihrten und 
desshalb wieder aufgegeben wurden. 

Auch bezüglich der Grösse und Form eiütten die Mund- 
löcher viele, in akustischer Hinsicht oft ganz irrige Modifi- 
kationen; meistens wurden sie jedoch oval gemacht* Die 
Grifilöcher wurden früher auf Kosten des Tones zu klein 
gebohrt, und spfiter auf Kosten der reinen Intonation bis 
aufs fittsserste vergrössert. Man erweiterte sie nach innen 



— 16 — 

konisch oder auch kugelförmig und bediente sich zur Klap- 
pendeckung des Leders, des Korks, des Kautschuks, mit 
Hfiutchen überzogener Polster und metallener Ventilen. 

Ais Material wurden vorzugsweise Buchsbaum , Ebenholz, 
GrenadiUe und Cocusholz gebraucht, und ausserdem verfer- 
tigte man noch Flöten aus Elfenbein, bei Laurent in Paris 
aus Krystallglas, in Nürnberg aus Papier-mach^, in Berlin 
für Friedrich IL aus Porzellain, und von Dimler in Mün- 
chen wurden sogar Flöten aus Wachs gemacht. 

£s entsteht nunmehr die Frage: welche Mängel diese 
mit mehr oder weniger der genannten Klappen oder Ein- 
richtungen versehenen Flöten haben? und worauf diese 
Uebelstfinde beruhen? — Die Beantwortung dieser Frage 
ergibt sich nach meinem Dafürhalten am besten durch eine 
Beschreibung der gewöhnlichen und noch fast allgemein im 
Gebrauch stehenden Klappenflöte mit dem Grundton C 

Die Bohrungsverhältnisse einer solchen Flöte sind nach 
dem von mir als Maasstab gewählten allgemein bekannten 
französischen Metre folgende: 

Das Kopfstück ist in der Regel ganz cylindrisch und 
circa 18 Millimeter weit gebohrt; an dieses schliesst sich 
das Mittelstück in derselben Weite an, und bildet bis zum 
untersten Loch im Fusse einen geradelinigten Conus, des- 
sen Verjüngung gegen seine Basis gewöhnlich 6, 4 Milli- 
meter beträgt. Der kurze Theil endlich, vom untersten 
Loche bis ans Ende der Flöte ist meistens wieder cy- 
lindrisch. Oefters vorkommende Abweichungen von diesen 
Bohrverhältnissen sind : 

1) Eine durchaus weitere Bohrung, wodurch die tiefen 
Töne an Kraft gewinnen, die hohen dagegen an 
leichter Ansprache verlieren. 
2} Eine durchaus engere Bohrung , durch welche umge- 
kehrt eine leichte Höhe auf Kosten der Tiefe er- 
langt wird* 
3) Eine grössere oder geringere Verjüngung des koni- 
schen Theiles, wodurch im ersten Falle die zweite 



— 17 — 

Octave gegen die erste höher, im zweiten Falle da- 
gegen tiefer wird. 

4) Eine kleine Erweiterung im Fusse am Ende des 

4 __ 

Mittelstückes, um bei enge zulaufenden Bohrungen 
mehr Stärke für die Töne Z>, Cis und C zu ge- 
winnen. 

5) Ein allmfihliges Uebergehen vom Cylinder in den 
Conus am Ende des Kopfstückes, und 

6) eine sehr geringe Ausbauchung im Mittelstück. 

Alle diese Varianten haben gewöhnlich, wenn sie einer- 
seits Vortheiie gewähren, anderseits auch wieder Nachtheile 
zur Folge; aUein im Allgemeinen hat die Flöte durch die 
Anwendung des Conus sowohl hinsichtlich der reinen Stim- 
mung der Waaren, als auch der leichtem Ansprache der 
tiefsten und höchsten Töne wesentlich gewonnen. 

Dagegen sind aber die akustischen Verhältnisse der ko- 
nischen Flöte viel komplicirter als die der cylindrischen, 
indem sich bei jedem Tonabschnitt nothwendiger Weise 
nicht nur aUe Verhältnisse der obern tönenden, sowie der 
untemrückwirkenden Luftsäule, sondern auch jedesmal zu- 
gleich die Stellungen der Schwingungsknoten verändern. 

Es sind daher die, durch jede Abweichung in der To. 
talstimmung^ sowie in den Bohrungs Verhältnissen jedesmal 
anders bedingten Löcherverhältnisse um so schwieriger zu 
finden, als alle bisher bekannten Theorien hierüber nur 
wenig Anhaltspunkte geben, ja in manchen Fällen sogar 
nicht anwendbar sind, weil ein und dasselbe Loch oft zur 
Hervorbringung von mehreren Tönen dienen muss, und es 
folglich für Keinen bezüglich Stellung und Grösse vollkom- 
men richtig sein kann» 

Obendrein fallen auch noch bei der neueren , gegen die 
alte Querpfeife sehr verlängerten Z>- Flöte, die Luftsäulen- 
abschnitte, namentlich bei den ganzen Ton-Intervallen E-fis^ 
G^a und A-H der />-dwr-Scala, so weit auseinander, dass 
die Löcher mit den Fingern nicht mehr gedeckt werden 
können. 

Die älteren, mit dem Klappenmechanismus noch unbe- 

2 



— 18 — 

kannten Instrumentenmacher konnten die Gfrifflöcher daher 
nur so weit auseinander rücken, als es zum bequemen Spiei 
fiir die Finger noch thunlich war, und mussten sich in Be- 
zug auf Stimmung durch Verengung oder Erweiterung der 
nun auf ganz falschen Stellen befindlichen Grifflöcher zu 
helfen suchen. 

Später wurde zwar durch die Vermehrung der Löcher 
und Anwendung der Klappen eine bessere chromatische Scala 
erlangt ; allein die nun einmal allgemein angenommene Lö- 
cherstellung der alten diatonischen Z>-(/i^r-Scala blieb unver- 
ändert stets dieselbe, und durch diese unrichtige Stellung, 
so wie die unzureichende Grösse der Löcher verlieren aber 
nicht nur die meisten Töne an Kraft und Klang, sondern 
in der , durch allzugrosse Verrückung der Löcher von ihren 
theoretisch richtigen Standpunkten, unvermeidlich gestörten 
Bildung der Schwingungsknoten, liegen auch, wie ich später 
nachweisen werde, die Ursachen des oft unsichern oder 
schwerem Ansprechens , so wie der unreinen Stimmung 
hoher Töne. 

Die akustischen Mängel der gewöhnlichen Flöte konnten 
daher mit Beibehaltung des alten Griffsystems unmöglich 
beseitigt werden , obgleich viele Instrumentenmacher neuerer 
Zeit, trotz allen entgegenstehenden Schwierigkeiten, im Ver- 
gleich gegen früher, bezüglich Stimmung und Ansprache der 
Töne, sehr gute und vorzüglich schön gearbeitete Klappen- 
flöten geliefert haben. 

Was die Mängel der gewöhnlichen Flöte in mechanischer 
Beziehung betrifft, so hätten mich diese durchaus nicht ver- 
anlasst , eine Flöte neu zu construiren ; denn es ist am Ende 
ganz einerlei, ob ein Ton mit diesem oder jenem Finger 
gegriffen wird, und Schwierigkeiten im Spiele, die bei jedem 
Griffsystem unausweichlich entstehen müssen, können durch 
fleissige Uebung überwunden werden, wofür bei allen In- 
strumenten ausgezeichnete Virtuosen den Beweis liefern. 

Da ich aber , um die akustischen Mängel der Flöte mög- 
lichst zu beseitigen, unumgänglich ein neues Griffsystem 
entwerfen musste, und später dessen Vor- und Nachtheile 



— 19 — 

möglichst genau beschreiben werde, so will ich auch das 
gewöhnliche Oriffsystem wenigstens einer kurzen Kritik un- 
tem^erfen. 

Der Klappenmechanismus der gewöhnlichen Flöten ent- 
stand gleichsam von selbst , indem zur Vermeidung der Ga- 
belgriflFe für aUe ausser der D-durScalsL gelegenen Töne 
der alten Flöte, neue Löcher eingebohrt und diese mit Klap- 
pen versehen werden mussten. 

Da drei Finger noch unbeschäftigt waren, so wurde der 
ntürlichen Lage wegen die 2>ii$-KIappe für den kleinen 
Finger der rechten Hand , die 6^;>-Klappe ßSar den kleinen 
Finger der Linken , und die ß-Klappe für den Daumen 
derselben Hand eingerichtet. Für die JP- Klappe und die 
C-KIappe hatte man jedoch keine freien Finger mehr, diese 
Klappen mussten daher Fingern übertragen werden, welche 
schon mit Tonlöchem beschäftigt sind und desshalb, so oft 
sie von den Löchern auf die Klappen überzugleiten und sie 
zu öffnen haben , jedesmal eine dreifach complicirte Bewe- 
gung — die des Aufhebens , des Uebergehens und des Nie- 
derdrückens — machen müssen, wodurch das Spiel in vie- 
len Tonarten, insbesondere durch die JT- Klappe, sehr er- 
schwert wird, und an Reinheit so wie an Deutlichkeit ver- 
liert, weil stets ein Zwischenton hörbar wird, wenn diese 
Fingerbewegungen nicht äusserst schnell gemacht werden. 
Man suchte zwar diesen Uebelstanden durch Anwendung 
mehrerer Hebel und Klappen abzuhelfen, allein sie konnten 
nur theilweise beseitigt werden. Das Spiel auf der gewöhn- 
lichen Flöte ist daher, wenn man sidi nicht mit einem un- 
reinen Fis und mit einem dumpfen C oder gar mit Gabel- 
griffen begnügen will, in allen Tonarten immer noch mit 
vielen Schwierigkeiten verbunden. 

Es entsteht nun die zweite Frage : Ob diese Flöten dem 
ausübenden Künstler bei den gegenwärtig an ihn gestellten 
Anforderungen genügen? 

Die Fortschritte der Technik in der Instrumentalmusik 
waren durch Verbesserungen an den meisten Blasinstru- 



— 20 -^ 

menten in neuerer Zeit so bedeutend geworden, dass die 
meisten Componisten bei ihrer Anwendung kaiun mehr ir- 
gend eine Rücksicht auf die Schwierigkeiten bezüglich der 
Tonarten oder der musikalischen Figuren nehmen. 

Man schreibt heut zu Tage für die Trompete, das 
Hom , die Klarinette , die Flöte und für die Hoboe und 
Fagott in allen möglichen Tonarten — Dinge, die in 
H'üheren Zeiten ganz unausflihrbar gewesen wären. 

Von der Flöte insbesondere wird gefordert, dass ihr 
ganzes Bereich der Töne vom eingestrichenen C bis zum 
dreigestrichenen U dem Tonsetzer unbedingt zu Gebote 
stehe. — Der Flötist soll im Stande sein , in der Tiefe so- 
wie in der Höhe fortissimo und jftanisstmo zu blasen , er 
soll aUe Töne, selbst in den schnellsten Tempi zusammen- 
schleifen oder abstossen ; ja sogar alle der Violine mögli- 
chen Artikulationen ausführen können, und endlich in allen 
24 Tonarten rein intoniren. 

Diese Aufgabe wird zwar von tüchtigen Künstlern auf 
der gewöhnlichen Flöte grossentheils , allein von Keinem 
vollständig gelöst , weil durch Mängel , die in der Construc- 
tion dieser Flöte ihren Grund haben, absolute Schwierig- 
keiten entstehen, die weder durch Talent, noch durch die 
fleissigste Uebung überwunden werden können. £s finden 
sich daher im Orchesterspiel sehr oft weit schwieriger 
aufzurührende Stellen, als in den Concert-Compositionen 
der Flötenspieler, die, mit den Schwächen ihres Instrumen- 
tes bekannt , grösstentheils klug genug sind , sich nicht 
selbst Steine des Anstosses in den Weg zu legen. Unter 
diese Mängel in akustischer Hinsicht gehören alle jene 
Töne, die entweder schwer oder unsicher ansprechen, die 
im Aushalten oder Crescendo nicht feststehen und daher 
beim Schleifen oder Abstossen gerne überschlagen; ferner 
diejenigen , welche ohne grosse Nachhilfe des Ansatzes 
nicht zum Reinstimmen oder Reinklingen gebracht werden 
können. 

Fällt zufällig der Accent, das zum Ausdruk nothwen- 
dige Anschwellen des Tones , auf einen solchen Ton , der 



— 21 — 

im Verhftltniss zn dem vorhergehenden schon an und für 
sich der schwächere, niattere oder dumpfer klingende ist, 
so bleibt dem Künstler nichts übrig, als die ganze Periode 
auf Kosten des Totaleffektes so schwach zu spielen , dass 
die Hauptnote noch hervortreten kann. 

Dieselbe Verlegenheit entsteht in noch grösserem Maase, 
wenn die Töne der tiefen Octave in Passagen mit den Tö- 

4 

nen der hohen Octaven schnell wechselnd, noch kräftig 
und voll ertönen sollen; Undeutlichkeit , schlechter Ton 
und unreine Stimmung sind die gewöhnlichen Folgen , und 
der nach Vollkommenheit im Vortrage strebende Künstler 
muss , wenn er auch die grösstmöglichste mechanische 
Fertigkeit bereits errungen, fortwährend noch den täglich 
erneuerten Kampf mit diesen Widerwärtigkeiten bestehen» 
und plagt sich bei selbst unablässigem Studium vergebens, 
diese Schwierigkeiten zu überwinden , wie mich meine eigene 
20jährige Erfahrung gelehrt hatte. 

Die Flöte ist daher gleich den übrigen Blasinstrumenten 
immer nach Maasgabe des Effektes in den verschiedenen 
Tonarten auf einen gewissen Wirkungskreis beschränkt, 
und jede Ueberschreitung desselben bleibt mangelhaft im 
Vortrage. 

Warum ist dieses bei Saiteninstrumenten viel weniger, 
bei Klavieren , Harfen und Orgeln aber gar nicht der Fall ? 
Weil in guten wohl besaiteten Streich -Ihstrumenten die 
Stärke und Gleichheit der Töne schon von selbst begründet 
ist, und eigentlich nur Tonfarbe und Klang von der Bo- 
genführung des Spielers abhängen , der zugleich die Into- 
nation ganz in seiner Gewalt hat. Die Schwierigkeiten sind 
deshalb fast nur mechanischer Art und können durch fleis- 
siges Studium überwunden werden. 

Das Violinspiel war daher wegen der akustischen Voll- 
kommenheit dieses Instrumentes bezüglich Ton und Stim- 
mung schon in früheren Zeiten so weit ausgebildet, als 
heut zu Tage. 

Bei Klavieren und Orgeln sind aber nicht der Ton, 
sondern auch die Intonation schon im Instrument selbst 



— 22 — 

voUstäodig gegeben, und der ausübende Künstler kann 
daran nichts verbessern , sondern durch eine fehlerhafte 
Behandlung der Instrumente ihre Wirkung höchstens ver- 
schlechtern. Es giebt daher nur mechanische Schwierigkeit 
ten , denn wo die Finger hintreffen , entsteht der Ton von 
selbst* 

Die ungeheuren Fortsc hritte im Klavierspiel neuerer 
Zeit hat man daher hauptsfichlich den immerwfihrenden 
akustischen und mechanischen Verbesserungen dl eser Instru- 
mente zu danken. 

Ganz anders ist es aber bei Blasinstrumenten. — Auf 
diesen muss sich der Künstler den Ton erst bilden , ent- 
weder durch unmittelbares Anblasen wie auf der Flöte, 
dem Hörn, der Trompete und Posaune u. s. f., wobei die 
Lippen als Labinm dienen, oder durch mittelbares An- 
blasen mit Röhren, wie bei der Oboe, dem Fagott, der 
Clarinette etc. 

Wie viele Zeit, Mühe und Geduld es kostet, auf Blas- 
instrumenten einen guten schönen Ton zu erlangen und zu 
erhalten, das wissen nur diejenigen recht zu beurtheilen, 
die selbst Blasinstrumente spielen, und alle werden mit 
mir übereinstimmen, dass Finger- und Zungenfertigkeit viel 
leichter zu erlangen sind , als ein in allen Nuancen schöner 
Ton, ohne welchen guter Vortrag mit Ausdruck nicht wohl 
denkbar ist. 

Liegen aber auch noch im Instrumente selbst unsicher 
ansprechende Töne, die nur zu leicht in Misstöne über- 
schlagen, und fehlt es zuffiUig in Momenten, wo es gilt 
und wo solche Töne unabwendbar vom Notenblatte drohen, 
auch noch an einem guten Ansatz oder Rohr, so ist der 
Zustand des Künstlers im Gefühle seiner gesteigerten Un- 
sicherheit wahrlich der trostloseste zu nennen. 

Solche unangenehme Erfahrungen haben gewiss alle 
Flötenspieler mehr oder weniger gemacht , und sie werden 
mir daher auch beistimmen , dass die gewöhnlichen Klap- 
penflöten dem Künstler bei den gegenwärtig an ihn gestell- 



— as- 
ten Anforderungen nur in so ferne genügen konnten, als 
keine besseren vorhanden waren. 



Die sich hierauf von selbst ergebende dritte Frage : in 
wie ferne und durch welche Mittel die Mängel der gewöhn-' 
liehen. Flöte bei meiner neuconstrnirten beseitigt wurden, 
glaube ich durch eine genaue Beschreibung ihrer akusti- 
schen und mechanischen Einrichtungen am besten beant- 
worten zu können. 

Als ich im Jahre 1832 meine Flöte (s. Fig. III) construirte, 
waren mir zwar die allgemeinen akustischen Gesetze be- 
kannt; allein sowohl diese als auch die bis dahin erschie- 
nenen speciellen Abhandlungen über die Flöte boten nur 
sehr wenig Aufklärung oder Anhaltspunkte zum Flötenbaue 
dar. Ich war daher genöthigt, meine Zuflucht wieder zu 
grösstentheils blos empirischen Versuchen zu nehmen, um 
endlich die folgenden Bohrungs- und Luftsäulen-Verhältnisse 
als die entsprechendsten bestimmen zu können, 

1) Kopfstück: Meter. 

Länge des Cylinders vom Stöpsel bis zum Mittel- 
stück . 0,1400 

Weite desselben 0,0184 

2) Mittelstück: 

Länge des Conus 0,3480 

Obere Weite desselben 0,0184 

Untere Weite 0,0120 

3) Fuss: 

Länge des konischen Theiles 0,0800 

Obere Weite 0,0128 

Untere Weite 0,0110 

Länge des cylindrisehen Theiles 0,0400 

Weite desselben 0,0110 

4) Ganze Länge der Luftsäule .... 0,6080 
Nach diesen Verhältnissen verfertigte ich mehrere ganz 

gleiche Flötenrohre, deren Holzdecke 4, 5 ^j^ betrug; den 



— 24 — 

Mnodldchern gab ich die Form eines Ifinglichten Viereckes 
mit abgerundeten Ecken bei 10 zu 12""/^ Oeffhungsweite und 
setzte sie in ihren Mittepunkt 17""/^ vom Stöpsel entfernt. 

Zuerst schnitt ich eine dieser Röhren , deren Grundton 
das C war , am untern Ende ab , bis es genau den tempe- 
rirten Ton ~ gab , bezeichnete dann diesen Abschnittspunkt 
auf einem zweiten noch ganzen Rohr , und fuhr in dieser 
Weise fort, his ich durch Abschnitte alle Töne der tempe- 
rirten Scala der ersten Oktave erhalten hatte. 

Hierauf bohrte ich die Löcher an den bezeichneten Ab- 
schnittspunkten des zweiten Rohres so gross ein, als ich 
es zur freien Entwicklung der Töne für nothwendig und 
zur Deckung mit den Fingern noch für zulässig erachtete. 
Da alle hiedurch erhaltenen Töne wegen der UnvoUkom- 
menheit der Abschnitte durch I^öcher zu tief stimmten, so 
korrigirte ich die Stimmungsverhaitnisse auf einem» dritten 
Rohr, durch Rückungen gegen das Mundloch, wodurch ich 
zwar die erste und zweite Oktave mit gleich grossen Lö- 
chern rein gestimmt erhielt , allein nicht die dritte , weil 
bei den hohen Tönen mit dem Tonloch zugleich das fünfte 
aufwärts gelegene Loch als Schallloch geöffnet werden muss, 
und von der Stellung dieser influenzirenden Löcher das 
leichte Ansprechen, der helle Klang und die reine Stim- 
mung der hohen Töne abhängt; ich musste deshalb auf 
andern Röhren' mit den obern sechs Löchern neuerdings 
RUckungen vornehmen, und die hierdurch gestörten Stim- 
mungsverhältnisse mit den untern Tönen durch Modifikatio- 
nen in der Grösse der Löcher ausgleichen. 

Endlich hatte ich ein FJötenrohr mit 14 Löchern erhal- 
ten, auf welchem sich alle Töne vom C angefangen bis 

zum H in möglichst rein temperirter Stimmung reinklingend, 
leicht , sicher und kräftig anblasen Hessen , womit die akus- 
tischen Verhältnisse meines Fiötenrohres im Vergleich gegen 
jene der gewöhnlichen Flöte sehr bedeutend verbessert wa- 
ren. Allein das alte Griffsystem konnte bei dieser neuen 
Löcherstellung; nicht angewendet werden, und es musste 



1 

ff 



— 25 — 

deshalb ein Neues gefunden werden , wodurch sSmmtliche 
Löcher nicht nur der Reihe nach von unten nach oben, 
oder umgekehrt , sondern auch ein jedes einzeln , ausser 
der Reihenfolge , nach £rforderniss geöffnet oder geschlos- 
sen werden konnte. 

Diese Aufgabe war jedoch nicht so leicht zu lösen, 
denn es verblieben , weil der zur Haltung der Flöte unent- 
behrliche Daumen der rechten Hand nie mit Fertigkeit ge- 
braucht werden kann, zur Behandlung der nöthigen 14 
Löcher nur neun Finger. 

Dieses MissverhSltniss musste im Klappenmechanismus 
ausgeglichen werden, und ich wählte hiezu Ringklappen 
als das geeignetste Mittel. 

Wenn nSmlich ein Tonloch mit einer kreisförmigen 
Vertiefung umgeben wird , so dass sich in diese ein Ring 
niederdrücken iSsst, ohne die Wände zu berühren, und 
wenn ferner dieser Ring an der Achse einer offenstehenden 
Klappe befestigt ist, so muss diese, nothwendiger Weise 
durch das Schliessen des Loches niedergedrückt werden. 

Ein Finger übt daher mit einer Bewegung zwei 
Funktionen zugleich aus und vertritt somit die Stelle von 
zwei Fingern. 

Einen weitem Uebelstand , nämlich : dass ich mehrere 
Löcher mit den Fingern nicht erreichen konnte , beseitigte 
ich durch die Trennung der Stiele von den Klappen, die 
ich sodann mittelst langer Achsen nach Belieben von den 
Fingern entfernen konnte. 

Durch die Anwendung dieser beiden mechanischen Hilfs- 
mittel wurde es mir möglich , durch ganz neue und weit- 
reichende Klappenverbindungen ein konsequent durchgeführ- 
tes Griffsystem herzustellen, nach welchem die Finger ihre 

Lage von D bis in's B nicht zu verändern brauchen. 

Es findet daher, mit Ausnahme der drei Klappen am 
Fusse , deren Behandlung ich , um von den gewohnten 
Griffen soviele als möglich beizubehalten, dem kleinen Fin- 
ger der Hand beliess, kein Abgleiten von irgend einer 



~ w — 

Klappe auf eine andere oder auf ein Tonloch statt , wo- 
durch die bedeutendste mechanische Schwierigkeit auf der 
gewöhnlichen Flöte beseitigt und das Spiel selbst in den 
sonst schwierigsten Tonarten leicht und sicher wurde. 

Nach meinem Griifsystem gestaltet sich nun die chro- 
matische Scala auf folgende Weise: 

Wenn alle Löcher der Flöte geschlossen sind , so ent- 
steht beim Anblasen der Grundton, das (7; durch das 
OeflFnen der untersten oder CV^-Klappe das Cfo, durch das 
Oeffnen der zweiten oder /)-Klappe das /), und durch das 
Aufdrücken der dritten oder i9i>-Klappe das Dis ^ auf 
gleiche Weise, wie bei der gewöhnlichen Flöte. 

Es sind nun die untersten 3 Löcher geöffnet, und da 
es zur Erlangung klarer und starker Töne nothwendig ist, 
dass die dem tongebenden Loche zunächst unterhalb liegen- 
den, zur Verminderung des nachtheiligen Einflusses vom 
untern Theil der Luftsäule auf die Töne, geöffnet bleiben, 
so soll die Z>2>-Klappe , mit Ausnahme der des D , die 
ganze Tonleiter hindurch bis in die höchsten Töne aufge- 
drückt bleiben, wobei der kleine oder 5te Finger der 
rechten Hand zugleich als Stütze zur sichern Haltung der 
Flöte dient. 

Die nächstfolgenden drei Löcher sind mit Ringen um- 
geben, wovon die beiden Ersten mit der Achse der 6r- 
Klappe verbunden sind, der 3te aber an einer langen bis 
zur jfiT-Klappe hinaufreichenden Achse mit zwei Hebelarmen 
befestigt ist. 

Dadurch erhält man das E durch das Oefhen des mit 
dem 4ten Finger bedeckten 4ten oder £-Loches , und das 
F durch das Oeffnen des mit dem 3ten Finger bedeckten 
5ten oder -F-Loches. 

Wird hierauf das mit dem 2ten Finger bedeckte 6te oder 
Fü-honh geöffnet, so hebt sich die Ringklappe durch ihre 
Feder von selbst und man erhält, weil zwei Löcher zugleich 
geöffnet wurden , den vom F um zwei halbe Töne entfern- 
ten Ton G. 



— 27 — 

Um den yorhergehendeB Tan Fis zu erhalten, mnss da- 
her das 7te oder &-Loch mittelst der Ringklappe durch den 
2ten oder 3ten Finger geschlossen bleiben , wobei jedoch zu 
bemerken ist, dass der 3te Finger nur bei schnellem Wech- 
sd der Töne gebraucht werden darf, weil die früher be- 
merkte nachdieilige Einwirkung der untern Luftsäule erst dann 
für das Ohr unbemerklich wird, "wenn unterhalb dem ton- 
gebenden Loche wenigstens zwei Löcher geöffnet sind. 

Da nun durch die Anwendung der Ringklappe für das 
C-Loch auf 4 Tonlöchern mit 3 Fingern leicht und sicher 
gespielt werden kann , so ist nach meinem Griffsystem bereits 
ein Finger erspart. Wir kommen nun zur linken Hand, 
welche alle Löcher vom G aufwärts geschlossen hält. 

Da meinem Griffsystem das Oeffnen oder Schliessen der 
Löcher in einer Reihenfolge stets zu Grunde liegt , so sind, 
wenn die Löcher zur unmittelbaren Deckung mit den Fin- 
gern von denselben zu entfernt liegen, offenstehende Klappen 
wegen ihrer, mit dem Finger stets gleichen Bewegung, ge- 
wiss die natürlichsten Stellvertreter derselben. Aus diesem 
Grunde habe ich, mit Ausnahme der J92.$ -Klappe, alle in 
der Scala nothwendigen Klappen meiner Flöte offensteh- 
end gemacht, und folglich auch die (!r2>-Klappe , mit wel- 
cher der kleine oder 5te Finger der linken Hand das Gis- 
Loch schliesst. 

Man erhält somit das Gis durch das Aufheben des klei- 
nen Fingers , indem sich die 6r2«-Klappe von selbst hebt , 
und das zunächstfolgende A durch das Aufheben des 4ten 
Fingers vom ^-Loche ; diese beiden Finger werden folglich, 
je nachdem die Fortschreitung einen halben oder einen gan- 
zen Ton beträgt, entweder der Reihe nach oder zugleich 
niedergedrückt oder aufgehoben , und zwar in derselben Ord^ 
nung, die ich bei meinem ganzen Griffsystem, so weit als 
möglich war, consequent beizubehalten suchte. 

Das nach dem -4-Loch folgende Ä-Loch ist wieder mit 
einem Ring umgeben, welcher an der Achse der Ä- Klappe 
befestigt ist. 

Da sich diese Ringklappe durch das Aufheben des 3ten 



— 28 — 

Fingers vom Ä-Loch, so wie früher die C-Klappe, von 
selbst hebt, wodurch das Ä'-Loch zugleich sich öffnet, so 
entsteht der Ton H. 

Es muss desshalb , um den vorhergehenden Ton B zu 
erhalten , das Ä-Loch durch den 2ten Finger der rechten 
Hand mitteist des bis zur Ringklappe hinaufreichenden He- 
bels geschlossen werden , und durch diese Einrichtung wird, 
wie wir ersehen , abermals ein Finger ersetzt. 

Das hierauf folgende C entsteht durch das Oeflfhen der 
mit dem Daumen zugedrückten Klappe des doppelten C^Loches, 
und das Cü durch das Oeffnen der mit dem 2ten Finger 
niedergedrückten Klappe des C1.9- Loches. 

Von dem D bis ins CHs wiederholen sich die Griffe der 
untern Töne ; nur wird bei dem D und Bis zugleich das 
(7i>-Loch so wie auf der gewöhnlichen Flöte , als Schallloch 
geöffnet , wodurch diese Töne reiner und leichter in die 
Octave überspringen. 

Das D entsteht aus dem G durch Ueberspringen in die 
Quinte, wobei das C^>>Loch ebenfalls als SchaUloch dient. 

Bei den nachfolgenden höher liegenden Tönen müssen , 
nebst den Griffen der untern Octaven, jedesmal das fünfte 
oberhalb liegende Loch oder die Löcher der untern Quinte 
geöffnet werden, wodurch ein leichtes und sicheres Anspre- 
chen der Töne und eine reinere Stimmung erlangt wird. 



Es muss daher beim Dis das (ir/^-Loch , beim E das ^- 

Loch und beim F das ^-Loch geöffnet werden. 

Beim Fis aber öffnet sich das 77-Loch durch die Klap- 
pen-Verbindung von selbst, wenn der dritte Finger vom J?- 
Loch aufgehoben ist. 

Bei dem "G dient wieder das C-Loch und bei dem Gü 
das 6y.j-Loch als Schallloch nach der Reihenfolge , nur 

spricht das Gis viel leichter an , wenn mit dem CVV-Loch 
zugleich das C-Loch geöffnet ist, weil das Ci>-Loch, wel- 
ches auch für D und Du so wie für das A als Schauloch 






— 29 — 

dienen muss, um allen diesen Tönen bestmöglich zu ent- 
sprechen, über seinen natürlichen Standpunkt hinaufgerückt 
und desshalb kleiner gemacht werden musste. 

Aus diesem Grunde müssen auch bei dem J, welches 
konsequenter Weise als Schallloch ein Z>-Loch , aber nicht 
ein Cis -Loch erfordert, nebst dem Griff für A und dem 
Oeffnen des CVi^-Loch als Schallloch, die beiden Löcher für 
Fis und G mit der Ringklappe durch den 2ten oder Zeige- 
finger der rechten Hand geschlossen werden, um durch 
die hiedurch gesteigerte Rückwirkung der untern Luftsäule 
den Ton auf die rechte Stimmung zu bringen. 

Das letzte oder /)-Loch endlich dient, wenn der Griff 
für B genommen und zugleich das Cis-Loch geöffnet wird, 

nicht nur als Schallloch für das ß , sondern es lassen sich 
mit der geschlossenen Klappe, welche dieses Loch deckt, 
und durch eine lange Achse für den 3ten Finger der rech, 
ten Hand eingerichtet ist, noch 7 Triller leicht und be- 
quem schlagen , nämlich C und Cü in beiden Octaven mit 

2>, das H mit Cts und das G und Gis mit A. 

Ausser diesen Klappen machte ich noch einen Hebel, 
durch welchen die C-Klappe mit dem 4ten Finger der rech- 
ten Hand geschlossen und dieser Finger anstatt des Dau- 
mens zum Schlagen der Triller B und C und ^ mit C 
gebraucht werden kann; ferner brachte ich einen bewegli- 
chen Trfiger an, wodurch die Flöte mit ihrem ganzen Ge- 
wicht in der Höhlung zwischen dem Daumen und Zeige- 
finger der linken Hand ruht , und nebst einer sichern Hal- 
tung des Instrumentes eine freie und leichte Bewegung der 
Finger dieser Hand erreicht wird; endlich machte ich noch 
zur Ausfüllung des Raumes , welcher durch das Ausziehen 
der Flöte zur Erhaltung einer tiefern Stimmung entsteht, 
mehrere Ringe, als Ersatz iür die gewöhnlichen und auch 
früher von mir angebrachten metallenen Auszüge in den 
Kopfstücken, welche ich aus dem Grunde verwarf, weil 
die ungleiche und obendrein durch die feste Verbindung 
des Metalles mit dem Holz gestörte Vibrationsfähigkeit die- 



— 30 -^ 

ser beiden Körper^ eine, wenigstens meinem Gehör unan- 
genehme Härte des Tons verursacht. Hiemit beendigte ich 
meine Arbeiten , indem ich noch weitere wesentliche Ver- 
besserungen ohne die Anwendung eines äusserst kompUzir- 
ten Mechanismus nicht wohl ausführbar fand , und in so- 
ferne auch nicht für nothwendig erachtete, als nicht allein 
Ton und Stimmung durch die neuermittelte LöchersteUung 
bedeutend verbessert waren, sondern auch durch das, in 
allen einzelnen Theilen des Klappen - Mechanismus wohl 
überdachte und genau geprüfte Griffsystem die sichere und 
leichte Ausführung jeder musikalischen Figur möglich 
wurde. 

Ich glaube nun, durch die gegebenen Erklärungen ge- 
nügend nachgewiesen zu haben, dass meine Construction, 
sowie sie im Jahre 1832 und 1833 durch die unter meiner 
persönlichen Leitung in meiner eigenen Werkstätte nach 
meinen Angaben und Zeichnungen verfertigten Flöten be- 
kannt geworden ist, nicht ein Werk des Zufalls oder der 
Compilation , sondern das Resultat reifer Ueberlegung und 
praktischer Erfahrungen ist; und die Erfindung dieser 
Construction, in der beschriebenen Art und 
Weise, habe nur ich allein anzusprechen, wie mir 
viele der achtbarsten Männer, hier und auswärts, welchen 
ich meine Ideen lange schon vor ihrer Ausführung mitge- 
tlieilt hatte , und wovon Manche schon seit 40 Jahren mit 
allen meinen Arbeiten bekannt sind, erforderlichen Falles 
gerne bezeugen werden. 

An allen übrigen seither an der Flöte gemachten Ver- 
änderungen oder Verbesserungen aber, deren Werth oder 
Unwerth ich Anderen zur Beurtheilung überlasse, habe ich 
keinen Antheil, indem ich vom Jahre 1833 an bis zum 
Jahre 1846 dem Instrumentenbau , andrer Geschäfte wegen, 
keine Zeit mehr widmen konnte, und desshalb auch vor 8 
Jahren, schon im Jahre 1839, mein Flötengeschäft aufgege- 
ben hatte. 

Uebrigens hätte ich es ohne die an mich wiederholt ^- 
gangenen Anforderungen wohl schwerlich jemals der MMe 



— Sl — 

werth erachtet, mein Erfindungsrecht auf meine neucon- 
struirte Flöte geltend zu machen, indem sich alle hierüber 
erhobenen Diskussionen eigentlich nur auf Formen und 
Klappen-Einrichtungen beziehen, welche ohnehin meistens 
nur nach individueUen Ansichten beurtheilt werden, da ein 
Jeder dasjenige für das Beste hält , was seinem Geschmack 
oder seinen Fingern am meisten entspricht. 

Ich selbst legte von jeher nur in soferne einen Werth 
auf mein Griffsystem, als ich in der konsequenten Einrich- 
tung desselben das einfachste Mittel zur Erreichung meines 
Zweckes gefunden zu haben glaubte; dieser Zweck war 
aber die Verbesserung der Flöte in ihren akustischen Ver- 
hältnissen, auf welchen die grössere oder geringere Voll- 
kommenheit aller Instrumente hauptsfichlich beruht, wäh- 
rend der Mechanismus derselben von sekundärer Wichtig- 
keit ist. Auch ist es viel leichter, Klappen zu construiren, 
als Töne zu verbessern. Ich hatte in Folge meiner frühe- 
ren Erfahrungen im Instrumentenbau die Ursachen der 
Mängel bei Blasinstrumenten wohl erkannt , - und sie auch 
bei meiner Flöte durch Anwendung mechanischer Mittel 
grossentheils beseitigt; allein ich war dennoch über so 
manche Erscheinung in akustischer Beziehung im Dunkeln 
geblieben , weil meinen damaligen Arbeiten nicht jene spe- 
ziellen theoretischen Untersuchungen zu Grunde lagen, 
welche ich erst in neuester Zeit vorzunehmen im Stande 
war. 

Es entsteht nunmehr noch die vierte Frage : Ob die Flöte 
hinsichtlich ihrer akustischen Verhältnisse zu einer noch 
grösseren Vollkommenheit gebracht werden kann? 

Hierüber kann wohl schwerlich ein Zweifel bestehen, 
so lange Mängel vorhanden sind, die Ursachen derselben 
erkannt , und Mittel zu ihrer Abhilfe gefunden werden. Im 
Jahre 1832 hatte ich meine Arbeit mit der Construction 
einer neuen Flöte begonnen , und sie auch auf dem Wege 
der Empirie zu Stande gebracht; im vorigen Jahre hinge- 
gen begann ich die zum Unterricht meiner Söhne von mir 
neuerdings vorgenommenen Arbeiten mit einer genauen Un- 



— 32 — 

tersuchung der akustischen Elemente, welche zum Ihstru- 
mentenbau erforderlich sind. Das Resultat war daher ein 
der Theorie, und folglich der Entwicklung der Töne mehr 
entsprechendes Luftsäulen - Vorhfiltniss , und aus diesem 
konnte erst wieder eine wesentliche Verbesserung der Flöte 
hervorgehen; denn obgleich ISngst schon Flöten gemacht 
wurden, noch ehe die Wissenschaft nachzuweisen suchte, 
wie und warum ihre Töne entstehen, und welche akustische 
Prinzipien ihrem Baue zu Grunde liegen müssen, so kann 
diese dennoch ohne Kenntniss und Beachtung der unverän- 
derlichen Naturgesetze in Verhältnissen, Stoff und Form, 
nie die grösstmögliche Vollendung erreichen. 

Insbesondere aber können die Blasinstrumente mit Griff- 
löchern, deren Wirkungen auf überaus komplizirten Ver- 
hältnissen beruhen, nur durch strenge Anwendung wissen- 
schaftlicher Prinzipien auf ihren Bau der Vollkommenheit 
nahe gebracht werden, und nur wenn Theorie und Praxis 
Hand in Hand gehen , können sie durch Erforschung der 
Ursachen des Guten sowie des Schlechten am vorhandenen 
Instrument den Weg zur Verbesserung zeigen, die ausser- 
dem dem Zufall überlassen bleiben müsste. 

Die höhere Mathematik hat viele der elementaren Ge- 
genstände der Akustik zu verschiedenen Zeiten in ihr Be- 
reich gezogen , und die grössten Gelehrten haben sich be- 
müht, ihre Gesetze zu entwickeln und festzustellen. — 
D. Bernoulli, Z. Euler, Poüson , Lagrange und Lambert, 
sowie später Biot , Chladni, Savart und viele Andere hatten 
nicht nur die Schwingungs-Verhältnisse der Saiten und 
Luftsäulen, sondern noch eine Menge der verschiedenar- 
tigsten Untersuchungen vorgenommen und bekannt gemacht; 
allein sie trugen zur Aufklärung der wahren Natur der 
Blas-Instrumente nur wenig bei; denn alle durch den höhe- 
ren Caicul erhaltenen Resultate sind viel zu allgemein, als 
dass sie Daten zur wirklich rationellen Ausführung unserer 
musikalischen Instrumente geben könnten. 

Es ist bei solchen Untersuchungen durchaus nothwen' 
dig, dass der Physiker zugleich tüchtig durchgebildeter 



— 33 — 

Musiker sei; denn durch biose Beiztehung eines Musikers 
wird kaum irgend ein nützliches Verstfindniss zwischen dem 
Physiker und dem Virtuosen hervorgebracht werden können, 
und dies ist wahrsdheinlich die Ursache, dass ausser der 
von Dr. Carl SchafhfiutI, als Pseudonymus C. P. Pei- 
us ov, im Jahre 1833 in den Jahrbüchern der Chemie und 
Physik Bd. VIII erschienenen und auch besonders abgedruck- 
ten : „Theorie gedeckter konischer und cylindri- 
scher Pfeifen und der Querflöten" wenigstens mei- 
nes Wissens , kein einziger Versuch zur Entwicklung einer 
Theorie der Flöten - Instrumente gemacht worden ist, in 
welcher man durch Verhdltniss und Zahl Rechenschaft zu 
geben versuchte über Wesen , den Bereich und die Verbin- 
dung der einzelnen Erscheinungen , auf welche sich unsere 
Querflöte basirt. 

In diesem Werkchen, als kurzer und zum Theil sehr 
entstellter Auszug atfs einer Vorlesung über den obigen Ge- 
genstand, wurde die Theorie der einfachem Betrachtungs- 
weise halber blos auf die älteste Querflöte , von der oben 
gesprochen wurde, die cylindrische Schweizerflöte angewen- 
det. Eine konische Flöte kann desshalb auch nach diesem 
Werkchen ohne weitere Entwickelung noch nicht gebaut 
werden; wohl giebt es aber dem in akustischen Arbeiten 
schon geübten Instrumentenmacher eine Basis , auf welcher 
er seinen Weg mit Sicherheit verfolgen kann. 

Durch die stete Beachtung dieser Angaben habe ich auch 
bei meinen Arbeiten , namentlich in letzter Zeit , Resultate 
erlangt , die , in der Hauptsache wenigstens , der Theorie 
sehr nahe komm^, im Vergleich zu den früher erhaltenen 
bedeutend vollkommener sind. 

Da die Mittheilung dieser Resultate ohne Kenntniss der 
ihnen zu Grunde liegenden akustischen Prinzipien unver- 
ständlich sein dürfte, so möchte denjenigen, welche mit den 
akustischen Verhfiltnisson einer Querflöte nicht hinlänglich 
bekannt sind, eine einfache Erklärung derselben, in soweit 
sie zur Verständigung des Flötenbaues nöthig ist, willkom- 
men sein. 

3 



~ 34 — 

Um ein Blasinstrument zum Tönen zu bringen, mnss die 
von demselben umschlossene Luftsfiule in gewisse, von den 
Saiten und tönenden Federn sehr verschiedene Schwingungen 
versetzt werden, welche sich wieder dem sie umgebenden 
Körper mittheiien und dessen Molekularschwingung^i erregen. 

Ohne solche Schwingungen kann auf Blasinstrumenten 
kein Ton entstehen ; es ist daher vor Allem wichtig , diese 
Schwingungsverhaltnisse genau kennen zu lernen. 

Das einfachste Mittel, sich von der eigenthümlichen zit- 
ternden Bewegung einer von einem Rohre umschlossenen 
Luftsfiule durch Augenschein eu überzeugen , ist die von 
Hopkins erfundene Vorrichtung. Fig. IV. Diese besteht 
aus einer etwa 2 Fuss langen und l^/^ Zoll weiten Glasröhre, 
welche senkrecht in einer mit Tuch gefütterten metallenen 
Zwinge in der Art befestigt ist , dass dicht unter dem Rohr 
eine metallene Platte oder Zunge, gleich der einer Aeoline, 
angeschraubt und mittelst eines Violilibogens zum Tönen 
gebracht werden kann; ferner aus einem, mit einer sehr 
feinen Membrane gleich einer Trommel überspannten Ring 
von kleinerm Durchmesser als die Glasröhre, welcher gleich 
einer Waagschale an drei feinen Fäden aufgehängt wird. 

Um mit diesem Apparat ein Experiment vornehmen zu 
können , ist erforderlich , dass die Zunge genau in denselben 
Ton gestimmt ist, weichen die Glasröhre durch Anblasen 
giebt, und dass das kleine Trommelfell mit feinem trockenem 
Sand gleichmfissig bestreut wird. 

Bringt man nun die Zunge durch das Anstreichen mit 
dem Violinbogen zum Tönen, so wird die im Rohr befind- 
liche Luft durch die Bewegungen der Zunge afißcirt, und es 
entsteht in dem Rohr zugleich derselbe Ton , den die Zunge 
giebt, und zwar in denselben Schwingungs - Verhfiltnissen , 
welche die Stimmung des Tones nothwendig bedingt 

Wird hierauf, wfihrend der Ton klar und rein erscheint, 
die kleine mit Sand bestreute Trommel allmfihlig in das Rohr 
eingesenkt, so entstehen, weil die Bewegungen der Luftsfiule 
allen einer gleichen Erzitterung fähigen Körpern , die in ihr 
Bereich kommen, mitgetheilt werden, folgende Erscheinungen. 



— 35 — 

Fig. V. So wie die Trommel über den Rand des tönenden 
Rohres steht, fihigt der Sand auf dem aufgespannten HAut- 
chen an, in eine lebhaft hüpfende Bewegung zu gerathen, so 
dass ein grosser Theil hinabgeschleudert wird. 

Senken wir nun die Trommel in die Röhre hinein , so 
wird der Sand in eine immer geringere Höhe geworfen, bis 
er endlich, wenn wir die Mitte des Pfeifenkörpers erreicht 
haben, beinahe ganz ruhig liegen bleibt. 

Unter diesem Punkt fingt der Sand wieder an, immer 
mehr und mehr in Bewegung zu gerathen, je tiefer wir die 
Trommel einsenken, und am untern Ende des Rohres wird 
der Sand wieder mit d^selben Kraft von dem Hfiutchen fort- 
geschleudert , wie am obem Ende. 

Aus diesem einfachen Experiment geht hervor , dass sich 
die Luft nicht an allen Stellen in einem gleichen Grad von 
Bewegung befindet, sondern dass die Schwingungeu an den 
beiden Enden des Rohres am grössten sind, von da herein 
sueeessive abnehmen, und in der Mitte des Rohres beinahe 
zu NuU werden. 

Durch diese zitternde Bewegung , bei welcher sich die 
einzelnen I^ufttheilchen in der Richtung der Achse der Röhre 
von und gegeneinandar bewegen, und die man Lfingenschwin- 
gungen nennt, zum Unterschied von den Schwingungen einer 
Saite oder einer Feder , welche sich seitwärts , d. i. nach 
rechts und links bewegt und Transversal - Schwingungen 
macht — entfernen sich die Lufttheilchen, jedoch nur durch 
einen kleinen Raum, von ihrer Stelle und kehren sodann 
sogleich an ihren frühem Ruhepnnkt zurück. 

Da sie jedoch hier mit der grössten Geschwindigkeit 
anlangen, so gehen sie vermöge dieser Geschwindigkeit, 
gleich einem Pendel , auf der andern Seite wieder auf die- 
selbe Entfernung vom Ruhepunkte hinaus , immer jedoch in 
der Richtung der Achse. 

Wenn wir uns nun vorstellen, dass diese Lufttheilchen 
zu gleicher Zeit an den beiden entgegengesetzten Oeffnungen 
des Rohres etwas hervor- und wieder zurücktreten, und 
diese Bewegungen bis zur Mitte des Rohres verfolgen, so 



— 36 — 

werden wir finden, dass da, von wo ans die LuftthelleheB 
sieh zu gleicher Zeit nach entgegengesetzten Riditnngen be- 
wegen , eine Schichte entstehen muss , in welcher gar kdne 
Bewegung stattfinden kann. 

Wenn also die Lufttheilchen von beiden Seiten zugleich 
in die Rdhre treten , so stemmen sie sich natürlich in der 
Mitte und die I^uft ist in diesem Zeitpunkte in einem Zustand 
der Verdichtung; treten die Lufttheilchen hingegen zo 
gleicher Zeit aus den beiden Rohrenden, so entfernen sich 
die Theilchen im Punkte der kleinsten Bew^^ung von ein- 
ander, und es entsteht an dieser Stelle der Ruhe, wo früher 
die grOsste Verdichtung stattfand , eine Verdünnung in ier 
Luftmasse. 

Die Hauptbewegung in einer auf solche Weise vibriren- 
den Luftsfiule besteht daher blos in einer wechselnde Ver- 
dichtung und Verdünnung der Luft an den Stellen, wo die 
Lufttheilchen benähe gar keine Bewegung haben , also im 
Huhepunkt in der Mitte; an den Enden des Rohres aber, 
wo die Lufttheilchen die grösste Bewegung haben, findet 
weder Verdünnung noch Verdichtung statt. Man nennt alle 
diese Punkte, wo die Luft in voller öder beinahe voller 
Ruhe ist, in der Sprache der Akustiker, Schwingungs- 
knoten, und de zwischen zwei Ruhepunkten oder Schwin- 
gungsknoten vibrirenden Luftth^ eine stehende Luft- 
welle, zum Unt^sehied von den fortschrdtenden Wellen, 
welche den Ton ausserhalb dem Rohre durch die Luft fort- 
pflanzen , und aus welchen in Röhren erst die stehende 
Schwingung hervorgebracht wird. 

Erregen wir fern^ in i&r Glasröhre durch dne in die 
Octave gestimmte Zunge die Octave des Grundtons und 
bringen die mit Sand bestreute Trommel über die Mündung 
des Rohres , so wird d^ Sand zu hüpfen anfangen , wie 
beim ersten Experiment , und theilweise herabgewoifen 
wer den. 

Senken wir aber die Trommel tiefer in das Rohr, so 
wird die Bewegung des Sandes viel rascher abnehmen, als 
beim ersten /Versuch ^ und haben wir mit der Trommel an- 



— 37 — 

gelfthr den vierten Tkeil des Rohres zurückgelegt, so kömmt 
der Sand schon hier in beinahe völlige Ruhe, 

Senken wir nun die Trommel noch tiefer, so fleUigt der 
Sand sich wieder neuerdings zu bewegen an, und sind wir 
bis zur Mitte gekommen, so wird sich hier der Sand in 
der stärksten Bewegung befinden, gerade an der Stelle, wo 
er beim ersten Versuch beinahe in völliger Ruhe war. 

Gehen wir noch über die Mitte hinaus, so nimmt die 
Bewegung des Sandes wieder ab , bis er im letzten Viertheile 
der Röhrenlange wieder in solche Ruhe geräth, wie im ersten 
Viertheil. 

Ueber dieses letzte Viertheil hinaus und gegen das untere 
Ende der Pfeife hin, nimmt er wieder an Bewegung zu, bis 
er am untern Ende selbst wieder in der nämlichen heftigen 
Bewegung ist ^ wie am obern Ende. 

Wir sehen daraus, dass sich beim Ueberschlagw des 
Tones in der Octave zwei Ruhepunkte der Lufttheilchen , 
oder zwei Schwingungsknoten bilden , die so ziemlich um 
ein Viertheil der ganzen Röhrenlänge von den beiden Endett 
entfernt liegen. 

Zwischen diesen beiden Schwingungsknoten befindet sich 
daher eine zweite ganz stehende Luftwelle , die ihren Bauch 
oder Stelle der grössten Schwingungen in der Mitte des 
Rohres hat, während die erste in zwei Hälften getheUte 
Luftwelle durch die dazwischen eingeschobene neue Welle 
gegen die beid^ Enden des Rohres hin gedrängt und in 
zwei Hälfftti getheilt wurde, sa dass sie^ wenn man mk 
den Bauch derselben oder die äussern Ende der beiden IJälf- 
ten vereinigt denkt y von gleicher Länge wie die mittlere 
Hälfte ist. Fig. VI. 

Fahren wir mit diesen Experimenten noch weiter fort^ 
so bilden sich mit der Quinte zur Octave drei Schwii^^ungs- 
knoten, deren zwei äusserste um 1/5 der Röhrenlänge von 
<len Enden entfernt liegen, Fig. VII; mit der zweiten oder 
Superoctave entstehen vi^ ^chwingungsknoten , wovon die 
beiden äussersten um Va "^^^ <i®n Enden entfernt sind, und 
bei engen ungedeckten Orgelpfeifen, auf welchen sich be- 



— 38 — 

kanntlieh die Schwingungsknoten in ganz gleiche Weise 
bilden, entstehen durch das Ueberblasen in noch höhere 
Töne, als die Benannten, sogar noch 5,6,7 und 8 Schwin- 
gungsknoten. 

Bei nftherer Betrachtung der Zahl dieser Schwingungs- 
knoten ersehen wir. 
Erstens, dass sie nach der natürlichen Zahlenreihe auf- 
treten, und 
Zweitens, dass diese natürliche Zahlenreihe die Schwin- 
gungsverhfiltnisse der erscheinenden Töne zu einander 
ausdrückt. 

Es werden nämlich, wenn 1 den Grund ton C bedeutet, 
zu dessen Entstehung 260 Schwingungen der Luftsäule in 
in vier Sekunden bedingt sind , bei 2 noch einmal so schnelle 
Verdichtungen und Verdünnungen, nämlich 520 Schwingun- 
gen in derselben Zeit erregt , wodurch , weil die Tonhöhe 
im Verhältniss der Sehwingungszahlen wächst, sich die Oc- 
tave zum Grundton bildet. Die Quinte der Octave bedingt 
folglich dreimal so viele und die Superoctave viermal so viele 
Schwingungen der Luftsäule in derselben Zeit 

Wir wissen femer, dass sich die Luftsäule in einer tö- 
nenden Röhre den Gesetzen des Gleichgewichtes zu Folge, 
nur in gleichlange Theile theilen kann. Es sind folglich die 
Luftwellen, wenn sich z. B. vier Schwingungsknoten bilden, 
nur halb so lang, als wenn sich in demselben Rohre nur zwei 
Schwingungsknoten bilden , und hieraus geht wieder hervor, 
dass eine halb so lange Welle gerade noch einmal so schnell 
schwingt, als eine von ganzer Länge , und dass folglich 
durch die verdoppelte Geschwindigkeit der Schwingungen, 
die Octave des Grundtones entstehen muss. 

Wir können diese Octave jedoch auch auf andere Weise 
erhalten. 

Anstatt dass wir durch das Ueberblasen einer Pfeife die 
Luftsäule in zwei zu gleicher Zeit doppelt schnell schwin- 
gende , aber um die Hälfte kürzere Wellen theilen , deren 
jede für sich denselben Ton hervorbringt , schneiden wir 
das Pfeifenrohr in der Mitte ab. Wir erhalten dann nur 



— 39 — 

Eine, aber um die Hdlfte kürzere und folglich mit 
derselben Geschwindigkeit schwingende Welle, wo- 
durch die früher bei ganzer Lfinge der Pfeife erhaltene Oc- 
tave zum Grundton der nun nur. halb so langen Pfeife wird, 
und daraus geht theoretisch wieder das Gesetz hervor, dass 
die den Tonhöhen entsprechenden Schwingungszahlen 
in einem umgekehrten Verhfiltniss zu den Pfeifenldngen ste- 
hen ; femer können wir den frühem um eine Octave tiefer 
liegenden Gmndton ohne die abgeschnittene Hfilfte mit der 
Pfeife wieder zu verbinden, auch dadurch erhalten, dass 
wir die Pfeife am untem Ende mit einem Deckel verschliessen» 

Da in diesem Falle die durch das Labium der Pfeife 
eingeblasene Luft am untem Ende nicht mehr frei austreten 
kann , so wird die Luftwelle von dem Boden der Pfeife re- 
flectirt und muss wieder zur obera Oeffhung zurückkehren: 
ihre Schwingungen werden, hiedurch gleichsam noch einmal 
so lang geworden, nur halb so schnell, als sie es waren, 
ehe die Pfeife geschlossen wurde, und es erscheint wieder 
der um eine Octave tiefere Grundton , den wir zuerst bei 
ganzer Länge und offenem Ende der Pfeife erhalten haben* 
Eine an einem Ende geschlossene oder sogenannte gedeckte 
Pfeife ist daher bezüglich der Tonhöhe gleich einer offenen 
Pfeife von doppelter Länge. 

Es berahen ferner alle musikalischen Töne in Bezug auf 
ihre absolute Höhe auf einer gewissen für denselben Ton 
natürlich sich stets gleich bleibenden Zahl von Schwingun- 
gen, den Schwingungszahlen« Diese Schwingungszah- 
len wurden schon früher sowohl durch Berechnungen als 
auch durch Messungen mittelst der von Caignard de la 
Tour erfundene^ Syrene, durch Savarts Zahnräder und 
andere Vorrichtungen, später durch H. Scheiblers Stimm- 
gabeln in Verbindung mit dem Metronom auf's genaueste 
bestimmt. Nach diesen Untersuchungen macht die in ^ ge- 
stimmte Stimmgabel des Conservatoriums in Paris 868.7, 
das AAes Berliner Orchesters 883,25 und das des Wiener 
Orchesters 881,74 Oscillationen in einer Sekunde, woraus 
sich die Oscillations-Geschwindigkeit oder die Schwingungs- 



— 40 — 

SBMm aller übrigen Töne, deren Intervallen- V^hältnisse 
längst madiematiscli genau bestimmt sind, Idcht berechnen 
lassen. 

Da mm die Saitenlfingen zu diesen Schwingungszahlen 
im umgelcehrten Verh&ltniss stehen, so geben % der zur 
Hervorbringung des C erforderlichen Saitenlinge das D; ^/s 
das E, 3/4 das F, 3/3 das Gj s/5 das ^^ %^ das £1 und 
V2 das C in der Octave« 

Bei Blasinstrumenten, die im Orchester gebraucht wer- 
Aetk und aus verschiedenen Tonarten spielen sollen, ist be- 
kanntlich die natürliche Scala nicht zu brauchen, weil die 
einzelnen Theile der heutigen Scala zu einandw verschiedene 
Intervallen -Verhältnisse besitzen« Man theilt desshalb die 
Octave 1 : 2 in 12 mittlere geometrische Proportional- 
Theile , von welchen sich der erste zum zweiten genau so 
verhält, wie der zweite zum dritten u. s. f. Man nennt 
dies die temperirte und zwar wegen der Gleichheit der ein- 
zelnen Theile die gleichschwebende Temperatur« 

IHe nadifolgende Tabelle zeigt die Zahlenwerthe der 
chromatischen Scala in Saitenläugen und Schwingungszahlen« 



— 41 — 



Gleichschwebende Temperatur 

(das A zu 880 Schwingungen angenommen). 





SaitenlSngen 


Scbwingun 

relative 


gszahlen 

absolute 


c = 


1,000,000 


1,000,000 


523,25 


eis 1 
des] 


0,943,874 


1,059,463 


554,39 


D = 

as\ 

es 


0,890,899 
0,840,896 


1,122,462 
1,189,267 


587,33 
622,26 


E-=i 


0,793,701 


1,259,921 


659,26 


JP = 


0,749,154 


1,334,840 


698,46 


geg\ 
G = 


0,707,107 
0,667,420 


1,414,213 
1,498,306 


739,99 
783,99 


as i 


0,629,961 


1,587,400 


830,62 


A = 


0,594,601 


1,681,793 


880,00 


ot«) 
« 1 


0,561,230 


1,781,796 


932,34 


U=i 


0,529,730 


1,887,745 


987,77 


C=i 


0,500,000 


2,000,000 


1046,51 



In soferne nun in allen Lehrbüchern der Physik als aus- 
gemacht angenommen ist, dass die Dicke der Luftsfiule bei 
musikalischen Blasinstrumenten keinen wesentlichen Einfluss 
auf die Tonhöhe habe, so mussten die angegebenen Saiten- 
längen auch den, zur Erlangung der gleichen Töne erfor- 
derlichen Luftlängen entsprechen. 

Aus einer Reihe von neuern Untersuchungen, welche 



— 42 — 

Professor Sckafküatl Uerfiber angestellt hatte, ergab sich 
jedoch bezäglich des Einflusses der Weite zur Ldnge der 
Lußsfiulen das Gesetz , dass jede Pfeife , welche verkürzt 
wird, nicht den ihrer Verkürzung der Rechnung nach in 
Saitenlfingen entsprechenden Ton giebt, sondern einen tie- 
fern, weil nfimlich bei sich gleichbleibendem Durchmesser 
und abnehmender Länge, das Verhfiltniss der Länge zum 
Durchmesser kleiner wird, was natürlich dasselbe ist, als 
ob die Pfeife dicker geworden wäre *)• 

Aus denselben Untersuchungen hat sich ergeben, dass 
bei gedeckten oder mit einem Rem versehenen Pfeifen die 
Erniedrigung nach dem Abschneiden grösser ist, als bei 
einer an beiden Enden offenen Röhre; dass also die Ernie- 
drigung, welche entsteht, wenn eine Flöte abgeschnitten 
wird, aus zwei Factoren zusammengesetzt ist, nämlich aus 
der Erniedrigung, welche durch das Wachsen des Durch- 
messers der Pfeife bei abnehmender Länge entsteht ; 

zweitens aus dem wachsenden Einfluss des Deckels oder 
Stöpsels bei der sich verkürzenden Pfeife. 

Obgleich den Schwingungs-Verhältnissen einer von einem 
konischen Rohre ganz oder theilweise umschlossenen Luft- 
säule zwar dieselben Prinzipien zu Grunde liegen , so treten 
doch durch die Anwendung des Conus sehr bedeutende Mo- 
difikationen, worüber die in Folge der erwähnten Untersu- 
chungen Professors Schafhäutl'sche erweiterte Theorie der 
gedeckten Pfeifen Aufschluss giebt. 

Wir wissen, dass eine gedeckte Pfeife einen um eine 
Octave tiefern Ton giebt, als eine ungedeckte von gleicher 
Länge, weil die Luftwelle von dem Deckel der Pfeife refleo- 
tirt wird. 

Bohren wir nun im Mittelpunkt des Deckels ein kleines 
Loch und machen es nach und nach grösser, so sinkt die 



*) Audi ich konnte mich von obigem Ausspruche der Physiker 
niemals und um so weniger überzeugen, als alle Blasinstru- 
mentenmacher recht gut wissen ^ dass die Tonhöhe eines Blas- 
instrumentes zugleich auch von der Weite desselben abhangt. 



— 48 — 

Spannung der Luft natürlieh mit der Vergrdsserung des 
Loches, und es kann desshalb die Reflexion der Luftwelle, 
wodurch der Ton vertieft wurde, nunmehr in demselben 
Verhältnisse statt finden , in welchem die Grösse der Oeff^ 
nung zum Querschnitt des Rohres steht. 

Der Ton muss daher, je nachdem das Loch mehr und 
mehr erweitert wird, immer höher werden, bis er endlich, 
wenn der Deckel ganz herausgeschnitten ist, die Höhe der 
Octave oder dieselbe Tonhöhe erreicht, die bei einer offenen 
Pfeife von gleicher Höhe erscheint. 

Im umgekehrten Fall wird folglich der Ton durch das 
successive Schliessen des untern Endes der Pfeife immer 
tiefer, und da aus derselben Ursache auch durch eine all- 
m&hlige Verengung des Rohres nach unten di« gleiche Wir- 
kung entsteht, so ist, wie Professor SchafhAutl zuerst 
nachgewiesen hat, eine solche durch einen Conus verengte 
cylindrische Pfeife gleich einer cylindrischen zu betrachten, 
die am obem Ende durch einen Deckel verschlossen ist, 
dessen Oeffnung sich zur Weite des Cylinders verhält, wie 
die kleinere Oeffnung des abgestumpften Kegels zu seiner 
Basis. Ein oben durch einen Conus verengtes Rohr muss 
desshalb in einem gewissen Verhältniss zur obern engem 
Oeffnung kürzer sein, als ein vollkommen cylindrisches, wel- 
ches denselben Ton giebt, da diese durch einen Conus ver- 
engte Pfeife als eine theilweise gedeckte betrachtet werden 
müss. 

Da bei konischen Luftsäulen eine geringere Luftmasse in 
Vibration zu versetzen ist, als bei cylindrischen, so folgt, 
dass die konischen Pfeifen leichter ansprechen, aber auch 
dass der Ton in demselben Verhältniss an Stärke verliert, 
in welchem die Verjüngung des Rohres zunimmt, wesswegen 
konische Pfeifen nur zu den sanfttönenden Registern der 
Orgel genommen werden. 

Bekannt ist ferner durch Schafhäutl's Untersuchungen, 
dass die Luftsäule eines Blasinstrumentes , welche sich unter 
einer Seitenöffnuiig oder einem Grifiloche befindet, nur mehr 
einen Thcil derjenigen Function versieht, der ihr ihrer Länge 



— 44 — 

geiiiAss zidcommmi würde, dass also diese Luftsfiule als eiae 
gew(Umliehe von kürzerer Lfinge betrachtet und bereeiinet 
w^en müsse. Die Quantitfit dieser Verkürzungen ist, wie 
SchafhAtttl gleichfalls zuerst dargethan hat, zusammcnih 
gesetzt ans dem Verhältniss des Durchmessers des Grifflo- 
ehes zum Durchmesser der Flöte selbst und der Lfinge der 
Luftsfiule. 

Aus denselben Untersuchungen geht hervor, dass die 
GrüDöcher als seitwfirts angesetzte Rdhrchen von gleicher 
Lfinge von der Holzdicke eines Instrumentes zu betrachten 
sind, so wie, dass das Mundloch einer Flöte gleich einem 
Cfriffloche zu berechnen ist, indem die Quantität des Tones 
diesdbe bleibt, ob die Flöte beim Mundloch oder Griffloch 
angeblasen wird, und endlich dass die Lfinge des Rohres 
vom Centrum des Mundloches bis zum Stöpsel , wenn er an 
sdner richtigen Steile steht, doppelt gerechnet werden muss, 
weil dieser Theil eine gedeckte Pfeife bildet , wodurch der 
ausserdem durdi das Loch erhöhte Ton wieder auf dieselbe 
Tiefe zurückgeführt wird, die durch das Anblasen des Rok- 
res am £nde , ohne Mundloch , erhalten wird. 

Die bisher angegebenen allgemeinen akustischen Gesetze 
und Bestimmungen aus speziellen Theorien liegen dem Bau 
aller Blasinstrumente mit Grifflöchern zu Grunde, und bil« 
deten , in sofeme ich weitere zuverlfissige Daten und Auf- 
klfirungen über die Verhfil|;nisse der einzelnen Theile eines 
Instrumentes nirgends finden konnte , die wissenschaftUche 
Basis , auf welcher ich zur nfiheren Untersuchung der aku- 
stischen Verhfiltnisse neuerdings meine Arbeiten begann » 
deren Resultate ich, gestützt auf meine vielen selbstgemach- 
ten und genau erprobten Versuche, in möglichster Kürze 
hier mittheilen will, in soweit sie sich speziell auf die Flöte 
beziehen. 

Da die akustischen Verhfiltnisse eiaer cylindrischen Luft- 
sfiule allen zur Construction einer Flöte erforderlichen Be- 
rechnungen zu Grunde liegen müssen, so verfertigte ich zur 
Ermittelung der Modifikationen , die durch das seitwfirts An- 
blasen mittelst des Mundloches eintreten, zuerst viele cylm- 



— 45 — 

drisehe hölzerne Röhren von verseiHedMimi Lfingen und 
Weiten ; allein es gelang mir wegen der Unbestfindigkeil 
des Holzes nie, sichere Resultate zu^ erlangen, wesshalb ich 
mich nach vielen vergeblichen Bemühungen entschloss, alle 
zu meinen Versuchen nothwendigen Modelle aus Metall im 
verfertigen. 

Zur Untersuchung der Längen -Verhältnisse, wobei die 
Verschiedenheit des Klanges unwesentlich ist, leisteten mir 
dünne hartgezogene messingene Röhren von vcnrsehiedenen 
Durchmessern so vortreiSiche Dienste, dass ich Abweidian^ 
gen in ihren Verhältnissen im Betrag von Bruchtheilen eines 
Millimeters noch in den Tonhöhen wahrzunehmen im Stande 
war, wodurch meine Experimente von diesem Zeitpunkte an 
eine sehr grosse Genauigkeit erlangten. 

Nachdem ich alle meine Röhren mit £mbouehuren und 
Stöpseln versehen hatte, suchte ich die den Durchmessern 
entsprechenden Längen, indem ich jedesmal ein Rohr am 
untern Ende so lange abschnitt, bis sich der Grundton des- 
selben leicht, sicher und rein anblasen liess , und da die 
Durchmesser von 10 bis 30 Millimeter und die Längen von 
1/4 bis 1 V^ Meter zunahmen , so fand ich viele Grundtöne 
im Umfange von mehr als zwei Octaven, nämlich vom E0 
bis hinunter zum kleinen C einer 4 Fuss langen Orgelpfeife; 
Der Klang dieser Töne war jedoch bis zum F hinauf 
matt und hohl , und die Stimmung der durch Ueberschlagen 
des Tones erhaltenen Octaven und übrigen aus den Aliquot- 
theilen der Luftsäule entspringenden höheren Töne durchaus 
zu tief. 

Vom jF wurden diese Uebelstände jedoch weniger be- 
merkbar, weil die Mündlöcher, welche in einer, der Weite 
langer Röhren entsprechenden Grösse , nicht mehr gehörig 
angeblasen werden können , im Verhältniss der kurzem und 
engern Röhren gross genug waren und folglich die Schwin- 
gungen der Luftsäule vollständiger erregt werden konnten. 

Ueberzeugt, dass durchaus cylindrische Röhren wenig- 
stens zu Querflöten in gewöhnlicher Form mit dem Grund- 
ton C nicht branchbar seien , sondern zur Erlangung einer 



— 46 — 

kiehten Attqiraeiie und einer reinen Octavm- Stimmung die 
kaniselie Form angewendet werden müsse, schritt ich zur 
Untersnchnng der konischen Verhfiitnisse. 

Je nachdem ich die Basis oder die Spitze des Conus 
verAttderte oder verlfingerte, ei^aben sich abwechselnd Vor- 
theile oder Nachtheile , allein im Ganzen war der Erfolg 
dieser ausserdem sehr lehrreichen Versuche nicht erheblich 
genug 9 um hier ausführlicher angegeben zu werden. 

Da nun an der, seit mehr als 100 Jahren gegen das 
untere Ende der Flöte angewendeten konischen Form, wenig 
zu veribessem war , so kehrte ich hierauf die Verhältnisse 
um, indem ich den Conus in den obern Theil des Rohres 
verlegte und in sehr verschiedenen Dimensionen ausführte, 
was ich übrigens schon vor mehr als 30 Jahren erfolglos 
versucht hatte. 

Nach mehreren zuerst mit hölzernen und nachher mit 
raelallenen Röhren gemachten missglückten Versuchen glaubte 
ich auch diesmal schon die Hoffnung aufgeben zu müssen , 
eine Idee zu realisiren, die ich eigentlich nie aus dem Sinne 
brachte, seitdem ich meine erste Flöte gemacht hatte« Idi 
konnte es nämlich nie recht begreifen, warum denn die 
Flöte allein nur am dicken Ende angeblasen werden sollr 
da doch alle übrigen Blasinstrumente mit konischen Verhält- 
nissen am dünnen Ende angeblasen werden, so wie es 
auch mehr naturgemäss ist, indem auf diese Weise die 
mit den wachsenden Tonhöhen immer kürzer werdenden 
Luftsäulen - Abschnitte verhältnissmässig zugleich dünner 
werden, während bei der Flöte geradezu das umgekehrte 
Verhältniss eintritt, indem die Verjüngung des Rohres bis 
über sämmtliche Löcher hinaufreicht. 

Da die Grundtöne derjenigen Röhren am besten anspra- 
chen, bei welchen sich der Conus vom Stöpsel bis gegen 
das oberste Loch hin erstreckte; durch die Verkürzung des 
Conus und Veränderung des Cylinders aber die hohen Töne 
gewannen , so musste es natürlich ein allen Verhältnissen 
am besten entsprechendes Medium geben; und da ferner der 
Theorie nach nur eine Curvenlinie zur allmähligen Verengung 



— 47 — 

oder £rweiternng eines Instrumentes geeignet sein kimn, so 
machte ich am obem Ende meiner Röhren bald längere bald 
kürzere Zusammenzlebungen , weiche, in ihrer Form der 
Parabel am nächsten kommend, theils abgeschnitten, theils 
kugelförmig zusammenlaufend , endigten. 

Endlich hatte ich ein Kopfstück erhalten , mittelst wel- 
chem ich auf meinem 24 Millim. weiten cylindrischen Rohr 
ohne Seitenlöcher das tiefe C der Clarinette und mit einiger 
Rückung des Stöpsels, ausser diesem Grundton, auch noch 

die Töne e, Ä, ~e, gis, h, d, c, /!&, gtSj a, h, cis^ h'su. e 
anblasen konnte, wodurch sich bestätigte, dass alle dem 
Hom und der Trompete eigenen Naturtöne auch auf einem 
Flötenrohr hervorgebracht werden können , wenn es zur Ab- 
theilung der Luftsäule in die erforderlichen Aliquottheile 
enge und lang genug ist. 

Da jedoch das tiefe C, obgleich leicht ansprechend, im 
Ton ziemlich schwach war, so verkürzte ich das Rohr, bis 
der Ton kräftig und vollkommen reintönend wurde, wo- 
durch F zum Grundton wurde. 

Nachdem ich die gefundenen Verhältnisse auf verschie- 
dene Längen reduzirt , und auf den hienach verfertigten Röh- 
ren noch die Grundtöne g, a, b und c vollkommen gut an- 
sprechend erhalten hatte, waren meine Untersuchungen der 
Luftsäulen- Verhältnisse in sofeme beendigt, als sie nur die 
bestmögliche Entwicklung der Grundtöne zum Zwecke 
hatten, wobei der Stöpsel stets diejenige Stelle einnahm, 
welche ihm, der Theorie nach, auf dem 27*«» Theil der 
ganzen Luftsäulenlänge angewiesen ist. 

Aus den bis dahin gemachten Versuchen hatte sich er- 
geben : 

1) dass die Stärke sowie der volle reine Klang der Grund- 
töne dem Volumen der Luftmasse proportional ist, 
welche in Schwingungen versetzt wird ; 

2) dass eine vollltändigere Erregung der einfachsten Schwin- 
gungen bei weiten Röhren durch eine Verengung der- 
selben an der Stelle des Mundloches erlangt werden 
kann ; 



— 48 — 

3) dass eine mdur oder minder bedeutende Verengung , so 
wie die VerUrznng oder Verlingenmg derselben auf 
die Stimmong und Ansprache der Aiiqnotdieile sehr 
bedeutenden Einfiuss hat; 

4) dass diese Verengung nicht in geraden Linien, sondern 
in einer Curve gemacht werden müsse; 

5) dass übrigens Abtheilungen der Luftsftule in Aliquot- 
theile oder die Bildung der Schwingungsknoten, Inirz 
alle Erscheinungen, welche bei einer schwingenden 
Luftsflule vorlcommen, in einem cylindrischen Rohre 
am leichtesten und voUstAndigsten vor sich gehen, folg- 
lich rin cylindrisches Rohr zur Verfertigung einer Flöte 
am geeignetsten sei, und endlich 

6) dass cylindrisdie Röhren mit dem von mir am obern 
Ende angewandten Conus füglich als ganz cylindri- 
sche betrachtet werden können, indem der Einfiuss 
dieses Conus auf die Tonhöhe so unbedeutend ist, 
dass derselbe bei einem Rohr mit dem Qrundton C 
kaum eine Längendifferenz von l^/^ Millimeter verur- 
sacht 

Da nun die der Bildung des Grundtons am meisten ent- 
sprech^mdm Dimensionen der Theorie zugleich am nfichsten 
kommen, so würde eine nach solchen Verhältnissen verfer- 
tigte Flöte in einem Umfang von circa zwei Octaven bezüg- 
lich des Klanges, der Fülle, Reinheit und leichten Ansprache 
der Töne, gewiss die vollkommenste sein; allein, um 
den Umfang der Flöte gemäss den heutigen Anforderungen 
auf drei Octaven auszudehnen , war ich leider , der leichten 
Ansprache der höchsten Töne wegen, genöthigt, engere 
Röhren zu nehmen, und biedurch die schönsten Töne der 
zwei ^sten Octaven wieder einigermassen zu verderben. 

Ein zweiter Uebelstand , der mich von der Theorie ab- 
zuweichen nöthigte, ist die Unmöglichkeit, bei einer Flöte 
die Entfernung des Stöpsels vom Mittelpunkt des Mundloches 
den verschiedenen Luftwellenlängen proportional zu machen, 
indem ohne einen äusserst complicirten und kaum ausführ- 
baren Hechanismus weder das Mundloch noch der Stöpsel 



— 49 — 

so mobil gemacht werden können, dass diese Entfernung bei 
jedem Intervall der untern Luftsäulenlänge jedesmal entspre^ 
cheud ab- oder zunehmen würde. Es muss daher eine mitt- 
lere Stellung des Stöpsels gesucht werden, bei welcher die 
Schwingungsknoten der höchsten Töne dem Mundloche nicht 
allzunahe rücken und die Entwicklung dieser Töne noch 
stattfinden kann. 

Durch mehrere möglichst genau gemachten Versuche hatte 
ich gefunden, dass bei der, zur Hervorbringung des C ot- 
forderlichen Länge des Rohres von 606 Millim« vom Stöpsel 
bis ans Ende gerechnet — der 32te Theil dieser Länge, 
oder 19 Miilim. Durchschnittsweite dem Gesammt- Umfang 
aller Töne am besten entspricht ; ferner , dass bei einer im 
Obern sechsten Thetl der ganzen Länge vom Cylinder aus- 
laufenden Verjüngung von 2 Miliim. und einer Entfernung 
des Mittelpunkts der Embouchure vom Stöpsel von 17 Mill. 
aUe Töne am besten ansprachen und am reinsten stimmten. 

Zunächst nahm ich einige Untersuchungen mit den Mund- 
löchern vor, indem ihre Form und Grösse von grosser Wich- 
tigkeit sind. 

Der tonerregende Luftstrom müss nämlich stets unter 
einem , der Tonhöhe proportionalen Winkel gegen den obern 
scharfen Rand des Mundloches geblasen werden, an welchem 
er sich bricht oder vielmehr zertheilt. 

Hiedurch geht ein Theil dieses Luftstromes über das 
Loch hinweg; der grössere Theil hingegen, namentlich bei 
gutem Ansätze, wirkt tonerregend auf die im Rohre einge- 
schlossene Luftsäule , indem er sie in wellenförmige Schwin- 
gungen versetzt, beiläufig so wie die Saite einer Violine 
durch das rechtwinkeliche Darüberstreichen des Bogens in 
transversale Schwingungen geräth. 

Durch die Luftwellen werden aber auch zugleich die 
Molekularschwingungen des umgebenden Rohres erregt und 
es entsteht der Ton, welcher so lange anhält, als diese 
Bewegungen durch neue Luftzuströmung , theils durch die 
Luftsäule hindurchgehend, theils sie nur aflicirend, erhalten 
werden. Es wird daher der Ton um so stärker sein , je 

4 



— 50 — 

mehr I^ufttheikh^ zu gleicher Zeit auf die Luftsaule erre- 
gend einwirken , und da die Ausströmungs - Oeffnung , die 
sich beim Blasen zwischen den Lippen bildet, schnitt- oder 
schlitzartig ist , so wird ein Mundloch , das ein langes 
Viereck mit abgerundeten Ecken bildet und daher dem brei- 
ten Luftpinsel einen ebenfalls breiten Rand entgegensetzt, 
jedenfalls mehr geeignet sein, den meisten Wind aufzuneh- 
men, als ein ovales oder rundes I^och von gleicher Grösse. 

Aus demselben Grunde kann man auch auf einem gros- 
sen Mundloch einen stärkeren Ton hervorbringen , als auf 
einem kleinen ; nur fordert ein grosses stärkere Spannkraft 
der .Lippenmuskeln , weil der hohle Raum unter der Lippe, 
die ihn theilweise bedeckt, keine Stütze bietet, und es dess- 
halb oft schwer wird , den Luftstrom in seinem richtigen 
Neigungswinkel zu erhalten , von welchem nicht nur die 
richtige Tonhöhe, sondern auch der Klang oder die Ton- 
farbe grossentheils abhängt, indem durch eine grössere Nei- 
gung des Luftstromes gegen die Mitte des Loches der Ton 
tiefer und schärfer klingend , umgekehrt aber höher und 
hohl tönend wird^ 

Desswegen ist auch der Winkel, unter welchem die 
Wände des Mundloches zum Längendurchschnitt der Luft- 
säule liegen, so wie auth die Höhe dieser Wände von be- 
deutendem Einfluss auf die leichte Ansprache dieser Töne. 

Nach meinem Dafürhalten möchte ein Winkel von 7^ dem 
ganzen Umfang der Töne und bei einer Höhe der Wände 
von 4,2 Millim. eine Grösse des Mundloches von 12 Mill. 
Länge zu 10 Mill. Breite, den meisten Flötenspielern am 
besten entsprechen. 

Auf einem nach diesen Angaben -verfertigten Flötenrohr 
(Fig. VIII) entwickelte sich der Grundton C ungeachtet des 
vom theoretischen Standpunkt hereingerückten Stöpsels schon 
mit dem leichtesten Hauche; er konnte leicht zu eiiier sehr 
bedeutenden Stärke gebracht werden, ohne in der Tonhöhe 
zu steigen, und das sonst bei allen Flöten vernehmbare Zi- 
schen war dabei nicht hörbar, was mir als Beweis diente, 
dass sich die Luftwellen bei den richtigen Dimensionen mei- 



— 51 — 

nes Rohres und dessen äusserst glatten innern Wänden, ohne 
bedeutende Fricticm, bilden konnten. 

Da ich hieraus , so wie aus der guten Ansprache aller 
Aiiquottöne auf die vollkommene Brauchbarkeit meines Roh- 
res zu einer Flöte mit Sicherheit schliessen konnte, so begann 
ich hierauf mit der Ermittelung der Luftsäulen- Abschnitte» 

Die einfachste und kürzeste Weise, alle Töne der ersten 
Octave zu erhalten, ist natürlich die, vom Rohre am untern 
Ende so lange abzuschneiden, bis der bei jedem Abschnitt 
erhaltene neue Grundton der gesuchten Tonhöhe entspricht, 
wobei Stimmpfeifen , ein gut gestimmtes Ciavier oder Stimm- 
gabeln als Tonmaas dienen können, und das Ohr über die 
Richtigkeit der Resultate entscheidet. 

Den zweiten, zwar mühsamen aber sicherem Weg lehrt 
die Theorie. Wenn nämlich, wie Schafhäutl zuerst ge- 
zeigt hat, der Stöpsel so gestellt ist, dass der Grundton 
der ganzen Flötenlänge vollkommen richtig erscheint , so 
verhalten sich die übrigen folgenden Töne der nach der 
Theorie verlängert gedachten Flöte in ihren Abschnitten 
ganz so, wie die Saitenlängen. Es ist desshalb leicht, den 
Tönen der ersten Octave entweder die natürlichen Verhält- 
nisse oder die temperirten nach der Rechnung zu geben. 

Da die Einwirkung der Verjüngung am obern Theil des 
Rohres bei allen Tönen dieselbe bleibt, und folglich nicht 
in Rechnung gezogen zu werden braucht, so geschieht diese 
Berechnung am einfachsten und mit einer zum praktischen 
Instrumentenbau hinlänglichen Genauigkeit auf folgende 
Weise : 

Die constante Länge des Rohres vom untern Ende bis 
zum Mittelpunkte des Mundloches beträgt 589 Millim. , und 
die Entfernung des Stöpsels von diesem Punkt bei seiner 
theoretisch richtigen Stellung 23,5 Mill. ; die ganze Länge 
der idealen Luftsäule beträgt daher , weil der über dem 
Mundloch befindliche Theil , als gedeckte Pfeife betrachtet , 
doppelt gerechnet werden muss, 589 + (23,5 x 2) = 
636 Millim. 

In soferne sich nun nach dieser idealen Luftsäulenlänge 



— 52 — 

die Abschnitte derselben gerade wie die Saitenifingen zu den 
Schwingungszablen verhalten, so lassen sich nach der oben 
angegebenen Tabelle durch die Rechnungsformel: 

(1,000,000) (0,943,874) (636) 

C : Cis = l X X, 

die jedem Ton entsprechenden idealen Lufts&uleniangen leicht 

berechnen, von welchen sodann die zuerst hinzugerechneten 

23,5 MilUm. wieder abgezogen werden, um die wirklichen 

Röhrenlfingen vom Stöpsel bis ans untere £nde zu erhalten. 

Die Lange des Rohres beträgt daher bei C : 

636 

— 23,5 = 294,5 MiUim. 

Da jedoch der Stöpsel, um dem Gesammt- Umfang der 
Flöte zu entsprechen, gegen das Mundloch gewürkt werden 
muss, und seine Entfernung vom Mittelpunkt desselben nur 
17 MilL beträgt, so ergiebt sich nach Abzug dieser Diffe- 
renzen : eine Länge des Flötenrohres für das C von 

(^ — 23^5) _ 6,5 = 288 MiUim. 

Zur genauen Prüfung dieser Verhältnisse verfertigte ich 
ein Rohr, an welchem alle 12 Tonabschnitte der Reihe nach 
abgenommen und wieder zusammengesteckt werden konnten, 
indem ich alle Röhrenstücke, welche genau nach den berech- 
neten Längen abgeschnitten waren, an einem £nde in dönne 
metallene Hülsen eingelöthet hatte, in welche sich jedesmal 
das Ende des zunächst folgenden Röhrenstückes luftdicht 
einschieben liess. 

Zugleich hatte ich am obem Theil des Rohres auch noch 
einen Auszug angebracht, durch weichen erforderlichen Fal- 
les jede etwaige Stimmungsdifferenz auf das Genaueste aus- 
geglichen werden konnte. 

Nachdem ich durch mehrmals wiederholte sorgfliltige 
Prüfungen die Richtigkeit der Berechnung bestätigt hatte, 
ging ich an die Untersuchungen der Löcherverhältnisse. 

Da eine Flöte nicht aus vielen einzelnen Stücken bestehen 
kann, sondern alle Tonabschnitte in einem zusammenhängen- 



— 53 — 

den Rohre enthalten sein müssen, so können diese Abschnitte 
nur durch seitwärts eingebohrte Löcher ersetzt werden, wo- 
durch die Luftsäule an diesen Punkten in einem gewissen 
Verhfiltniss des Durchmessers der Löcher zu jenem des 
Rohres als getrennt oder abgeschnitten zu betrachten ist. 

Durch das Griffloch wird jedoch die I^uftsaule nicht so 
sehr verkürzt , dass die Stelle des Loches dem Verkürzungs- 
Abschnitte entspräche ; denn die Löcher können schon wegen 
der Unsicherheit des Schlusses nie so gross gemacht wer- 
den , dass ihr Querschnitt dem des Rohres ganz gleich 
kömmt, und selbst dann würden die Luftwellen aus dem 
Loche rechtwinklich nie so leicht austreten, als in der Achse 
des Rohres ; sie stossen daher auf den Widerstand , wel- 
chen ihnen die im untern Theile des Rohres enthaltene Luft- 
säule entgegensetzt, und dieser Widerstand ist namentlich 
bei kleinen Löchern so bedeutend , dass alle Töne viel zu 
tief stimmen , wenn die Löcher auf die Stellen der Luftsäu- 
len-Abschnitte gebracht werden, und sie müssen desshalb 
um so näher nach oben gegen das Mundloch gerückt wer- 
den, je kleiner sie sind. 

Aus diesem Grunde hängt die Stimmung der Töne nicht 
blos von der Länge der Luftsäule allein, sondern auch zu- 
gleich von der Grösse des Tonloches, sowie von der Grösse 
und Entfernung der unterhalb zunächst liegenden Löcher ab. 

Es muss daher, um die Löcherstellung für eine chroma- 
tische Scala zu bestimmen, vorerst eine gewisse l^öchergrösse 
gewählt werden , weil nach dieser erst die Punkte ihrer 
Stellung entweder nach der von SchafhäutI entwickelten 
Formel berechnet oder durch Versuche gefunden werden 
können. 

Obgleich wenigstens eine Octave auch mit kleinen Lö- 
chern durch Rückungen rein gestimmt werden kann, so bleibt 
es aus den folgenden Gründen dennoch immer eine Haupt- 
bedingung , die Löcher so gross als möglich zu machen : 
1) können sich die Töne nur durch grosse, ihrem wah- 
ren theoretischen Standpunkt möglichst nahe gebrach- 
ten Löcher frei und darum klangvoll entwickeln ; 



L 



— M — 

2) kommen bei kleinern, den wahren Standpunkten be- 
deutend entrückten Löchern, die ein - und austretenden 
Luftwelien oft den Schwingungsknoten zu nahe, wo- 
durch deren Bildung gestört oder unsicher gemacht 
wird, und der Ton schwer anspricht oder leicht in an- 
dere Aliquottheilen entsprechende Tonlagen überspringt; 

3) treten die Tonwellen, je kleiner die Löcher sind, um 
so gestörter aus und ein, wodurch der Ton matt und 
seines Klanges beraubt wird ; und ' 

4) hängt die Stimmung der dritten Octave hauptsfichlich 
von der richtigen Löcherstellung ab. 

Bei meinen hierüber gemachten Versuchen hat sich her- 
ausgestellt, dass diese nachtheiligen Einflüsse erst dann un- 
merklich werden ^ wenn die Grösse der Löcher wenigstens 
3/./, des Querdurchschnittes des Rohres hetrfigt. 

NSchst dem Durchmesser der Löcher hat auch die Höhe 
ihrer Wände, wodurch sie gleichsam angesetzte Röhren bil- 
den , einen bedeutenden , mit der Höhe der Wände wachsen- 
den Antheil an obigen Einflüssen auf Stimmung und Klang 
der Töne. 

Zur Untersuchung dieser Verhältnisse habe ich auf ein- 
zelne Röhrenstücke, die ich nach Belieben in den Tonabschnit- 
ten einschieben konnte, nicht nur Löcher von verschiedenen 
Grössen , sondern ihre Wände auch von verschiedener Höhe 
versucht. 

Das unterste oder cw-Loch, 12 Millim. weit und ohne 
Rand, musste zur Erlangung der richtigen Tonhöhe auf dem 
19 Millim. weiten Rohre um so viel hinaufgerückt werden, 
dass das Centrum des Loches 4,5 Millim. über den, obigem 
Tone entsprechend berechneten , Luftsäulen - Abschnitt zu 
stehen kam ; bei einem nach Aussen ebenen Rand , dessen 
geringste Höhe 1 Mill. betrug , war hingegen schon eine 
Rückung von 5,8 Mill. , und bei einem 3 Mill. hoh^n Rand, 
eine von 7,8 Mill. erforderlich , woraus hervorgeht , dass 
die Rückungen mit der Höhe des Loches in beinahe ganz 
gleichem Maase zunehmen, während die Grösse, um welche 
die Löcher über den Luftsäulen-Abschnitt hinaufgerückt wer- 



-* ...!._ ük- -a«^ mi^ll. - 



— « — 

den müssen, aus gewissen Verhältnissen des Durchmessers 
des Qriifloches zu dem <ler Röhre und zu ihrer I^änge zu- 
sammengesetzt ist. 

Dieser vertiefende Einfluss der unterhalb dem Tonloch 
befindlichen Luftsfiule, welcher bei dem untersten Abschnitt 
von 35,7 Mill. Länge schon eine Rückung von 5,8 Mill. ver- 
ursacht ^ wächst mit jedem neuen Absdinitt. Das /^-Loch 
muss daher schon um 6,6 Mill. über den Tonabschnitt hin- 
aufgerückt werden, und bei der Octave des Grundtones oder 
dem (Tbeträgt die erforderliche Rückung über den Abschnitts- 
punkt 12,5 MiU. 

Da jedoch, wie schon bemerkt, Rückungen im Verhält- 
niss der Abschnittslängen zunehmen, so genügt es zur Be- 
stimmung der Löcherstellung für die chromatische Scala in 
gleichschwebender Temperatur vom c bis zum c , die Löcher 
für diese beiden Töne nach den gegebenen Angaben zu be- 
stimmen, und die dazwischen liegenden Intervallen nach 
Saitenlängen zu berechnen, wobei man, wie schon oben bei 
Berechnung der Luftsäulen -Abschnitte gezeigt wurde, die 
Länge von c zu dem gefundenen c doppelt nimmt. 

Fällt z. B. der Mittelpunkt des c- Loches bei einem bis 
ins A verlängerten Fiötenrohre auf 601 Mill. Entfernung vom 
Stöpsel und der des ~c- Loches auf 275,5 MiU. , so beträgt 
also die Länge des Rohres zwischen diesen beiden Punkten 
oder Zahlen 601 — 275,5 = 325,5 MiU. 

Die ideale Luftsäulenlänge ist daher: 
325,5 X 2 = 651 Mill. 

Diese Luftsäulenlänge als Saitenlänge betrachtet, giebt 
für d7 gemäss der Formel: (1,000^000) (0,943,874) (651) 

C : eis zn l\x 
und auf ähnUche Weise erhält man,, indem in der Formel 
statt ciT, der Reihe nach die übrigen Tonwerthe in Saiten- 
längen substituirt werden, die Längen für alle übrigen da- 
zwischen liegenden IntervaUen. 

Zieht man dann die früher zur wirklichen Länge des 
Flötenrohres hiuzugerechneten 50 Mill. von den berechneten 



— 56 — 

Längen jedesmal wieder ab , so giebt der Rest die Entfer- 
nung des Mittelpunktes der Löcher vom Stöpsel. 

Durch diese Berechnungen hatte ich alle Töne der ersten 
Octave und zwar mit ganz gleich grossen Löchern, folglich 
auch in gleicher Stärke und Tonfarbe , erhalten. Es war 
nun leicht, die nächstfolgenden Töne sowohl nach unten als 
auch nach oben für die zweite Octave zu bestimmen. 

Diese Töne, so wie die der dritten Octave entstehen 
jedoch bekanntlich auch ohne eine Vermehrung der Löcher, 
indem sich in jeder nur etwas längern Röhre nicht blos 
gemäss der einfachsten Schwingungsart ein einziger, son- 
dern anch zwei, drei, vier und mehrere Schwingungsknoten 
bilden , welche den , in derselben Ordnung folgenden höhern 
Octaven entsprechen, was entweder durch stärkeres Blasen 
oder durch Verengung der Lippen-Oeffnung bei verändertem 
Winkel im Anblasen bewirkt wird , wodurch in beiden Fäl- 
len ein schnellerer Luftstrom entsteht, und also eine kürzere 
Tonwelle erzeugt wird. 

Da aber zur Erlangung eines grössern Umfanges an Tö- 
nen ein engeres Rohr genommen werden musste, als ein 
dem Grundton allein am besten entsprechendes , so ist es 
im Verhältniss seiner Länge zu enge, und die ersten durch 
Ueberschlagen des Tones in die Octave erhaltenen Töne cis^ 
d und dis sind desshalb gegen die darauf folgenden in der 

Tonfarbe verschieden, indem sich erst mit dem e das Ver- 
hältniss der Länge zur Weite wieder ausgleicht, und die 
Töne in voller Reinheit und Stärke erscheinen. 

Zum Anschluss an dieses e sollte daher die Flöte noth- 
wendiger Weise noch drei in Grösse und Stellung mit den 
übrigen übereinstimmende Löcher für die Töne der zweiten 
Octave eis ^ d und dis haben ; allein es ist nur mehr ein 
Finger für das m-Loch übrig, und dieses muss daher so 
eingerichtet werden, dass es zugleich auch als ein sogenann- 
tes Schallloch für die Töne d^ dis, gis und ^ dient. Der 
Theorie nach sind aber für das d und ISs die Löcher der 



. V 



— 57 — 

Octaven , und für gü und "ö" die Löcher der Quinten als 
Schalllöcher bestimmt , wodurch alle diese Töne an Stim- 
mung, Klang und leichter Ansprache gewinnen würden. 

Ich konnte aber, ohne das gegenwärtig von so Vielen 
schon eingeübte Griflfsystem meiner Flöte von 1832 wieder 
abzufindern oder gar zu verwerfen , von der Berechnung 
für diese drei Löcher keinen Gebrauch machen, sondern ich 
war genöthigt , diejenige Grösse und Stellung durch -Ver- 
suche zu ermitteln, welche allen Anforderungen am meisten 
entspricht. 

Das eis -Loch musste daher, so wie die darauf folgen- 
den, weit über seinen wahren Standpunkt hinaufgerückt und 
verhfiltnissmfissig kleiner gemacht werden. 

Zur genauen Prüfung dieser so wie der übrigen Stim- 
mungsverhfiltnisse hatte ich eine Modellflöte mit verschieb- 
baren Löchern verfertigt, wodurch ich im Stande war, 
alle Töne nach Belieben höher oder tiefer zu stimmen. 

Auf diese Weise konnte ich zwar die zweckmfissigste 
Stellung und Grösse der obersten drei Löcher leicht finden, 
allein es war mir nicht möglich, die Stimmung der übrigen 
Töne so vollkommen nach dem Gehör zu erlangen, als ich 
sie durch die Rechnung erhalten hatte, denn durch das Be- 
mühen, in einer Tonart eine ganz reine Scala hervorzu- 
bringen, wurden die Töne immer wieder aus den Verhält- 
nissen der gleichsphwebenden Temperatur gebracht , ohne 
welche die bestmöglichen Stimmungs- Verhältnisse bei Blas- 
instrumenten mit Grifflöchern nie erlangt werden können. 

In Folge dieser consequent durchgeführten Untersuchun- 
gen hatte ich endlich ein FlötenmodcU erhalten, auf welchem 
alle Töne nicht nur weit voller und kräftiger klingen , als 
auf allen andern Flöten, sondern auch jeder Nuancirung 
bis ins zarteste Piano fähig sind , ohne ihre Tonfarbe zu 
verlieren oder in der Stimmung zu sinken ; und weil sie 
überdies nur dann am leichtesten ansprechen und am rein- 
sten stimmen, wenn sie mit möglichst gleichem Ansatz her- 
vorgebracht werden, so ist dadurch das Spiel leichter. 



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sicherer und reiner auszuführen, als auf allen übrigen Flö- ^ 
ten , wo beinahe jeder Ton einen andern Ansatz erfordert. |y 

Nachdem die akustischen Verhältnisse hiemit vollständig «| 
bestimmt und geordnet waren , untersuchte ich noch den ^ 
£influss verschiedener Metalle auf die Qualität des Tones. Vt 

Zinnerne Röhren , welche verhältnissmfissig nur eine w 
sehr geringe Elastizität besitzen, gaben den weichsten, allein M 
auch den schwächsten Ton ; die aus dem sehr harten und 
spröden Neusilber verfertigten Röhren hatten hingegen den 
hellsten, zugleich aber auch den am schärfsten klingenden, 
und silberne sowie messingene Röhren den in jeder Be- 
ziehung vorzüglichsten Ton, gegen welchen die Töne aller 
aus Holz verfertigten Flöten, buchstäblich genommen, höl- 
zern klingen. 

Insbesondere wird die Ansprache der Töne ungemein 
zart und leicht, sowie der Klang derselben äusserst sonor, 
wenn die Röhren sehr dünn und hart gezogen sind , wo- 
durch die Elastizität und folglich die Schwingungsfähigkeit 
des Metalles bedeutend erhöht wird. 

Die Vorzüge meiner seither ganz aus Silber verfertigten 
Flöte sind bezüglich Ton und Stimmung selbst im Vergleich i 
zu meiner vorigen neuconstruirten Flöte so auffallend, dass 
sie von Jedem sogleich und entschieden bemerkt wurden. 

Diese Flöte ist keinem Springen , Verziehen oder Ver- 
trockenen unterworfen , sie braucht weder eingeölt noch ein- 
geblasen zu werden, sondern spricht jederzeit gleich gut 
an , und selbst der Einfluss der Temperatur ist weniger 
störend als bei Holzflöten, weil das Metall als vorzüglicher 
Wärmeleiter schon nach wenigen Sekunden die höchstmög- 
liche Temperatur angenommen hat, und der Ton folglich 
nicht mehr steigen kann. 

Durch die genau ermittelten und durchgehends in Zahlen 
gebrachten Flöten - Verhältnisse bin ich nun im Stande ^ 
sowohl nach Angabe der Schwingungszahlen irgend eines 
Tones als nach Einsendung einer Stimmgabel, in meinem, unter 
der. Firma: Theobai d Böhm in München, wieder voll- 



— 59 — 

stfindig eingerichteten Fabrikations - Geschäft musikalischer 
Blasinstrumente^ nach jedem beliebigen Stimmungsverhfilt- 
niss, von einer fiüte d^amour bis zum Octavflötchen, gleich 
gute und reingestimmte Instrumente zu verfertigen, welche 
bezüglich des Klappen -Mechanismus nach dem bekannten 
Qriifsystem der neuconstruirten Flöte den Wünschen eines 
Jeden entsprechend eingerichtet werden können. 



Druck von J o h. W i r f li in Mainz. 



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